Dortmund - Die Deutsche Bahn will den am Montagabend verunglückten ICE im Dortmunder Hauptbahnhof bergen. Der ICE soll mit einem Kran direkt auf die Gleise zurückgesetzt oder auf sogenannte Rollblöcke gehoben werden, sagte ein Bahnsprecher.

Zunächst werden Oberleitungen abgebaut und der Kran in Position gebracht. Anschließend wird der ICE aus dem Bahnhof gebracht.

Der Zugverkehr werde aber auch danach nicht sofort wieder ganz ungestört rollen, sagte der Sprecher. Die Unfallexperten untersuchen anschließend das Gleisbett. Außerdem könnten wegen des teilweise abgeschalteten Stroms und abgebauter Oberleitungen zunächst keine weiteren Gleise freigegeben werden. Wann der Verkehr wieder komplett rollt, steht noch nicht fest.

Der ICE war auf dem Weg von Düsseldorf nach Berlin kurz vor dem Bahnsteig in Dortmund entgleist. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Die Untersuchungsstelle des Bundes für Eisenbahn-Unfälle ermittelt den Grund.

Als Ursache hält der Berliner Schienenfahrzeug-Experte Daniel Jobstfinke einen technischen Defekt oder auch menschliches Versagen für möglich. „Es könnte sein, dass am Waggon etwas kaputtgegangen ist etwa am Drehgestell, am Rad oder an der Radsatzwelle”, sagte Jobstfinke der Deutschen Presse-Agentur. Ein Bauteil könne beispielsweise gebrochen sein und dann für die Entgleisung gesorgt haben. Möglich sei auch ein Defekt am Fahrweg, etwa ein mechanischer Fehler an einer Weiche. Das Stellen einer Weiche unter dem fahrenden Zug sei im Regelfall nicht möglich. „Dies ist technisch eigentlich ausgeschlossen.” Seit mehr als 100 Jahren sei es Standard, dass bei fahrenden Zügen eine sogenannte Fahrstraße eingestellt und gesichert sei. „Wenn der Zug erstmal fährt, hat der Bediener keine Möglichkeit mehr, den Weg zu ändern.” Allerdings könne es vorkommen, dass es etwa bei Bauarbeiten keine solche Fahrstraße gebe.

Eine Entgleisung durch das absichtliche Ablegen von Gegenständen auf einer Schiene hält der Experte für sehr unwahrscheinlich, da nur die beiden letzten Waggons entgleist waren. (dpa)