DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.
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BerlinWerden die Pläne der Bundesregierung in die Tat umgesetzt, wird die Deutsche Bahn bald dazu verpflichtet, Führungspositionen zu 50 Prozent mit Frauen zu besetzen. Damit soll die Gleichstellung gefördert werden. Im Jahr 2020 ein längst überfälliger Schritt. Widerstand kommt – was zu erwarten war – aus der Altherrenriege der Bahnfunktionäre.

Die Bahn-Bosse Ronald Pofalla, Martin Seiler und Richard Lutz warnen vor „erheblichen negativen Auswirkungen.“ Schon Mitte Juni versuchten sie in einem Brief, die Bundesminister Olaf Scholz (SPD), Franziska Giffey (SPD) und Andreas Scheuer (CSU)  von den Plänen abzubringen. Dieser Versuch zeugt davon, wie sehr die Führungsriege der Bahn im Denken des letzten Jahrtausends verhaftet ist.

Ohnehin wirken die von Pofalla und Co. vorgebrachten Einwände unbegründet. So sind sie der Meinung, eine Frauenquote verschärfe den Fachkräftemangel in technisch-operativen Berufen der Bahn. In den kommenden Jahren wie geplant 100.000 neue Mitarbeiter einzustellen werde „erheblich erschwert“.

Die Bahn sollte ihren Widerstand aufgeben

Unterm Strich sei die Quote damit ein Wettbewerbsnachteil. Das ist Quatsch. Tatsächlich ist sie sogar ein Vorteil. Denn wer heute glaubhaft für Parität einsteht und so den gesellschaftlichen Wandel aktiv begleitet, präsentiert sich als moderner Arbeitgeber. Das wird von potenziellen Bewerbern honoriert. Ein solches Handeln erfordert allerdings Mut, den die Führungsriege der Bahn offenbar nicht hat.

Am Ende wird auch ihre Ablehnung eine Frauenquote in Führungspositionen des Konzerns nicht verhindern können. Sie sollten den Widerstand aufgeben, bevor es zu spät ist. Denn wenn sich die Deutsche Bahn in dieser Frage weiterhin als ängstlich und rückwärtsgewandt präsentiert, wird das Jobinteressentinnen sicherlich abschrecken, was die Besetzung von Stellen dann tatsächlich „erheblich erschwert“.