Hans-Christian Ströbele ist auf Gehhilfen angewiesen.
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BerlinDie Deutsche Bahn verteidigt sich gegen Kritik am Umgang ihres Mobilitäts-Services mit gehbehinderten Reisenden. Der ehemalige Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele hatte zuvor berichtet, die Bahn habe sich geweigert, ihn mit seinem Rollator in einen Zug hineinzuhieven.

Bahn bedauert das Geschehen

Alleine komme er aufgrund des Höhenunterschieds nicht mehr in die Züge, sagte Ströbele der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland). Um Reisenden im Rollstuhl beim Einstieg zu helfen, benutzt die Deutsche Bahn spezielle Hublifte. Die hätte auch Ströbele mit seinem Rollator gerne genutzt. Das habe die Bahn ihm jedoch aus versicherungstechnischen Gründen verweigert. Stattdessen habe ihn ein Bahnmitarbeiter am Gürtel hochgezogen. Die Hublifte seien sicherer und ihre Nutzung sei auch für alle Beteiligten bequemer, als einen Reisenden „irgendwie hinein- oder herauszubugsieren“, so Ströbele.

Die Deutsche Bahn sieht das anders. „Unsere Mitarbeiter unterstützen Reisende mit Mobilitätseinschränkung 850.000 mal pro Jahr beim Ein- und Ausstieg“, teilte ein Bahn-Sprecher mit. Für Rollstuhlfahrer seien bundesweit 900 mobile Hublifte im Einsatz. „Für Reisende mit Rollator ist der Lift leider zu unsicher. Hier helfen unsere Service-Mitarbeiter beim Ein- und Ausstieg“, so der Bahn-Sprecher. An über 100 großen Bahnhöfen stelle die Bahn Reisenden mit Rollator auch Leih-Rollstühle zum sicheren Einstieg per Hublift zur Verfügung. Die Bahn bedauere das Geschehen und wolle nun das Gespräch mit ihm suchen.

Überlasteter Mobilitätsservice

Auch Reisende im Rollstuhl klagen immer wieder über Ärger mit der Deutschen Bahn. Die Bahn habe das grundsätzliche Problem, „dass die Mobilitätsservice-Zentralen gnadenlos überlastet sind“, erklärt Lukas Iffländer, Vizevorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Wir bekommen regelmäßig Mitteilungen von Rollstuhlfahrern, dass angemeldete Reisen storniert wurden, weil kein Personal vorhanden ist.“

Reisende müssten dann auf andere Verbindungen ausweichen. Ein barrierefreies Pendeln mit der Bahn sei so jedoch kaum möglich. „Flexibel geht da sowieso nichts“, sagt Iffländer. Rollstuhlfahrer müssten sich 24 bis 48 Stunden vorher anmelden. „Oft haben Reisende keine Chance, wenn sie sich nicht mindestens zwei Tage vorher anmelden.“

Von so einer Situation berichtete im November 2019 auch der rollstuhlfahrende Menschenrechtsaktivist Raul Krauthausen. Seine geplante Reise sei von der Bahn abgesagt worden, „da die Bahn an diesem Tag aufgrund des hohen Reiseaufkommens den Mobilitätsservice nicht bestätigen konnte“. Krauthausen konnte, so die Bahn einen anderen Zug am selben Tag nehmen.