Santiago de Compostela - Die Zahl der Toten nach dem schweren Bahnunglück im Nordwesten Spaniens ist auf 78 gestiegen. Das teilte am Donnerstag der Vertreter der spanischen Regierung in der Region Galicien, Samuel Juárez, mit. Von den etwa 130 Verletzten seien 20 in einem kritischen Zustand, ergänzte er in Santiago de Compostela. Die Tageszeitung „El Mundo“ berichtete von 143 Verletzten.

Laut der Zeitung „El País“ sagte der Lokführer nach dem Unglück über Funk, der Zug sei mit einer Geschwindigkeit von 190 Stundenkilometern in eine Kurve gerast. Erlaubt seien dort eigentlich nur 80 Stundenkilometer. Aus Ermittlerkreisen verlautete, der Zug sei offensichtlich viel zu schnell in eine Kurve eingebogen. Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe warnte vor schnellen Schlussfolgerungen. Renfe erklärte, Eisenbahnexperten würden die Unfallursache untersuchen.

Die Katastrophe war das erste Unglück mit Todesopfern auf einem Abschnitt des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Sie ereignete sich etwa drei Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof von Santiago.

Die 13 Waggons des Zuges wurden auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg.

Der Unglückszug hatte sich auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt El Ferrol im Nordwesten Spaniens befunden. Er war mit mehr als 220 Passagieren besetzt gewesen. Am kommenden Wochenende hatte in Santiago de Compostela ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Jakobs stattfinden sollen. Die Stadt sagte die Feierlichkeiten, die das wichtigste Fest des Jahres in der Pilgermetropole sein sollten, aufgrund des Zugunglücks vollständig ab.

An der Unfallstelle arbeiteten die ganze Nacht durch Rettungskräfte. Am frühen Morgen waren noch immer etwa 200 Einsatzkräfte bei der Suche nach möglichen Opfern in den Trümmern der Wagen. Zwei riesige Kranwagen waren an die Unfallstelle gebracht worden. Selbst in den frühen Morgenstunden verfolgten rund 200 Anwohner den Fortgang der Arbeiten, berichtete die spanische Nachrichtenagentur EFE. Heute will der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, der aus Santiago stammt, an die Unfallstelle kommen und sich selbst ein Bild von der Katastrophe machen.

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat seine Trauer um die Opfer der Zugkatastrophe in Spanien bekundet. Er sei „tief bestürzt über die Nachrichten zu dem furchtbaren Zugunglück“, sagte der Politiker in einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes vom Donnerstag. „Unser Mitgefühl ist mit den Familien und Angehörigen der Opfer. Ich wünsche den vielen Verletzten baldige Genesung.“ (dpa, AFP)