Symbolbild: Sicherheitskraft der Deutschen Bahn.
Foto: dpa/Britta Pedersen

BerlinDie Gewalt gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn nimmt zu. Das zeigt die Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage von Dietmar Bartsch, dem Vorsitzenden der Fraktion Die Linke im Bundestag. Demnach hat sich die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Bahn-Angestellte von 1876 im Jahr 2015 auf 2558 im vergangenen Jahr erhöht. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 36 Prozent. Berlin steht nach Nordrhein-Westfalen mit 335 Übergriffen bundesweit auf dem zweiten Platz.

„Es ist erschreckend, dass jeden Tag mehrere Mitarbeiter der Deutschen Bahn Opfer von Gewalt werden“, sagte Dietmar Bartsch der Berliner Zeitung. Die Deutsche Bahn sieht als Ursache der zunehmenden Gewalt veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und spricht von besonderen Herausforderungen im Kundenkontakt. Der Umgangston sei rauer geworden, Attacken kämen oft unvermittelt. „Die zunehmende Aggressivität und Verrohung unserer Gesellschaft besorgt mich sehr. Wir müssen alles dafür tun, dass in unserem Land ein anderes gesellschaftliches Klima einzieht, denn diese Gewalt ist völlig inakzeptabel“, so Bartsch.

Angreifer stören sich vor allem an Regeln

Rund die Hälfte der Angriffe treffe Sicherheitskräfte, so die Bahn. Schwere Verletzungen seien mit einem Anteil von sieben Prozent die Ausnahme und gingen infolge verschiedener Schutzmaßnahmen weiter zurück. „Leider müssen wir auf die kontinuierlich sinkende Hemmschwelle für Gewalt reagieren“, sagt Hans-Hilmar Rischke, Leiter Konzernsicherheit der Deutschen Bahn. „Deshalb geben wir unseren Mitarbeitern das nötige Selbstbewusstsein und regelmäßige Trainings, damit sie auch in schwierigen Situationen richtig reagieren und Konflikte beherrschen.“

Laut Bahn finden die meisten Angriffe im Bahnhof, nicht in den Zügen, statt. Häufig stünden die Angreifer unter Alkoholeinfluss oder hätten keine gültige Fahrkarte. Situationen würden vor allem dann eskalieren, wenn es um die Einhaltung von Regeln gehe. Da reiche schon der Hinweis auf das geltende Rauchverbot. Ob dies auch bei der Einhaltung der Maskenpflicht der Fall ist, ist unklar, da diese erst seit diesem Frühjahr gilt und sich daher nicht in den Zahlen widerspiegelt.

Überwachungskameras und Hunde sollen abschrecken

Überwachungskameras sollen helfen, Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Allein auf ihren Bahnhöfen betreibe die Bahn aktuell etwa 7000 Kameras, so Rischke. Weitere 33.000 kämen in mehr als der Hälfte aller Nahverkehrszüge und S-Bahnen zum Einsatz. Der Konzern wolle auch weiter in den Ausbau der Videotechnik investieren. Ein lückenlose Videoüberwachung könne es aufgrund des Datenschutzes jedoch nicht geben.

Dort, wo keine festen Kameras installiert sind, sollen Bodycams der Sicherheitskräfte potenzielle Angreifer abschrecken. Die Resonanz der Mitarbeiter auf die Geräte sei positiv. Immerhin habe es seit 2016 keine Angriffe mehr auf Sicherheitskräfte mit Bodycam gegeben. Auch Schutzhunde erhöhten an bisher sechs Standorten die Sicherheit, da sie den Mitarbeitern zusätzlich Autorität verschafften. Sollte eine Situation dennoch eskalieren, seien die Sicherheitskräfte mit Stichschutzwesten und Abwehrsprays ausgestattet.

Bei den Angreifern handle es sich um einen Querschnitt der Gesellschaft. Soziale Herkunft, Alter oder Geschlecht spielten kaum eine Rolle. „Klar ist, die Deutsche Bahn kann dieses gesellschaftliche Problem nicht allein lösen“, sagte Rischke und appellierte auch an Eltern, Politik, Medien und Schulen, ihren Beitrag zu leisten.