Bambi-Preisträgerin Sarah Mardini in griechischer U-Haft - Vorwurf der illegalen Flüchlingshilfe

Die griechische Justiz hat Ermittlungen gegen die in Berlin lebende syrische Flüchtlingshelferin Sarah Mardini eingeleitet. Der 23-Jährigen werde Mitgliedschaft in einem illegalen Netzwerk für Flüchtlingshilfe vorgeworfen, sagte ihr Anwalt Haris Petsikos am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Mardini befinde sich derzeit in Untersuchungshaft in Griechenland, ebenso wie ein weiterer Aktivist der Nichtregierungsorganisation ERCI, der Deutsch-Ire Sean Binder.

Petsikos warf der Justiz „Kriminalisierung der Flüchtlingshilfe“ vor. Binder und Mardini, die 2015 zusammen mit ihrer Schwester vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen war, werden laut ihrem gemeinsamen Anwalt Petsikos zudem der „Verletzung von Staatsgeheimnissen“ und „Hehlerei“ beschuldigt. Die Verdächtigen weisen die Vorwürfe zurück. Mardini war ihrem Anwalt zufolge während mehrerer Taten, die ihr zur Last gelegt werden, gar nicht in Griechenland.

Petsikos beantragte am Mittwoch die vorläufige Freilassung der 23-Jährigen aus dem Athener Korydallos-Gefängnis. Binder befindet sich in Haft auf der Insel Chios. Mardini war am 21. August zusammen mit Binder und einem weiteren Aktivisten der Flüchtlingshilfsorganisation ERCI (Emergency Response Centre International), dem Griechen Nassos Karakitsos, auf der Insel Lesbos festgenommen worden.

Die griechische Polizei hatte am Dienstag die Zerschlagung des „kriminellen Netzwerks“ bekanntgegeben. Die Behörden werfen den Aktivisten vor, Migranten bei der illegalen Einreise nach Griechenland geholfen zu haben. Dabei hätten sie auch mit organisierten Schleppern zusammengearbeitet, erklärte die Polizei. Gegen insgesamt 30 Mitglieder der NGO wird demnach ermittelt.

Die ERCI-Aktivisten hätten Informationen über die Ankunft von Flüchtlingen in Griechenland eingeholt, um sich dann um die Migranten zu kümmern. Die Informationen hätten die Aktivisten jedoch nicht an die griechischen Behörden weitergegeben, erklärte die Polizei. Über Spenden hätten die Verdächtigen einen „finanziellen Gewinn“ für ihre Organisation angestrebt.

Flucht im Schlauchboot

Sarah Mardini und ihre Schwester, die Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini, waren im Jahr 2015 aus Syrien geflohen. In einem Schlauchboot voller Flüchtlinge versuchten sie, zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Als das Boot eine Panne hatte, schwammen Sarah und Yusra stundenlang und zogen das Boot mit seinen 18 Insassen an einem Seil hinter sich her. Die Leistungssportlerinnen ließen sich in Deutschland nieder.

Sarah Mardini ist Stipendiatin des Bard-College in Berlin. Dort studiert sie im ersten Jahr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Sie sei „zutiefst idealistisch“ und in der Flüchtlingshilfe engagiert, „das ist ihre Motivation“, sagte der Direktor der Hochschule, Florian Becker, zu AFP. Das College stehe in Kontakt mit Mardinis Anwalt. Die Inhaftierung der 23-Jährigen bezeichnete Becker als „unverhältnismäßig“, die Anschuldigungen enthielten zahlreiche „Irrtümer“.

Der deutsche Trainer von Sarahs Schwester Yusra, Sven Spannenkrebs, verteidigte die Aktivistin. Die 23-jährige Syrerin und Binder seien „langjährige Ehrenamtliche“. Demnach beteiligten sich die beiden „niemals an illegalen Aktivitäten“. Yusra Mardini hatte im Jahr 2016 an den Olympischen Spielen in Rio teilgenommen - als Mitglied einer Flüchtlingsmannschaft. (AFP)