München/Berlin - Der im Januar aus dem Amt geschiedene ehemalige US-Präsident Barack Obama wird im Mai auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag auftreten. Geplant ist ein Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einer Bühne vor dem Brandenburger Tor – am 25. Mai um 11 Uhr.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat nach eigenen Worten Obama im vergangenen Sommer zum Reformationsjubiläum eingeladen. Am 31. Oktober jährt sich die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers zum 500. Mal. Mit Unterstützung aus dem Kanzleramt und vom damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier folgte nach dem Amtswechsel zu Donald Trump die Zusage.

Keine begrenzte Teilnehmerzahl

Was dies für das Sicherheitskonzept der Großveranstaltung bedeutet, wird nach Angaben von Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au nun mit den zuständigen Behörden verhandelt. Sie versprach aber, dass es wie bei Veranstaltungen des Christentreffens üblich auch beim Gespräch zwischen Merkel und Obama keine Begrenzung der Teilnehmerzahl und keine gesonderten Anmeldungen geben soll. Dafür würden vermutlich Taschenkontrollen stattfinden.

Bedford-Strom sagte dieser Zeitung: „Ich habe Barack Obama eingeladen, weil er wie wenige andere mitten im Zentrum der Macht und der Politik gestanden hat und mit hohen Idealen in die Politik gegangen ist – übrigens auch sehr stark begründet im christlichen Glauben. Obama hat in Chicago Graswurzelarbeit gemacht und ist später Präsident geworden.“ Seine Reden seien zuweilen regelrechte Predigten.

Obama als Beispiel von Realpolitik

Dass Obama bestimmte Ziele wie etwa die Räumung des US-Gefangenenlagers Guantánamo nicht habe verwirklichen können, mache den Auftritt umso reizvoller. Denn es sei „ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man über dieses Verhältnis von Idealen und Realpolitik ins Gespräch kommen kann“. Ohnehin habe „niemand einen Heiligenstatus“, so der Ratsvorsitzende. „Ein Politiker, der gerade seine Amtszeit beendet hat, schon gar nicht. Aber es geht auch nicht um heilig oder nicht heilig, sondern darum, ob jemand gute Politik macht.“ Bedford-Strohm betonte: „Der Kirchentag ist eine Zeitansage auf der Basis des christlichen Glaubens. Denn Christen geht es nie nur um sich selbst, sondern um die Welt als Ganze. Und das wird sicher bei dieser großen Veranstaltung sehr deutlich zum Ausdruck kommen.“

Obama war mehrfach in Deutschland – im Sommer 2008 vor seiner Wahl und 2009, 2013, 2015 und 2016 während seiner Präsidentschaft. Das Verhältnis zu Merkel war anfangs noch distanziert; 2008 wollte sie nicht, dass er am Brandenburger Tor spricht. Stattdessen redete Obama an der Siegessäule vor rund 200000 Menschen. Am Schluss wurde die Beziehung geradezu innig. Der Besuch im Mai wird der erste Deutschland-Besuch des 55-Jährigen als Privatmann sein.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 24. bis 28. Mai in Berlin und in der Lutherstadt Wittenberg statt. Er steht im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Zum Abschlussgottesdienst in Wittenberg, der zugleich die zentrale Feier für die Protestanten im Jubiläumsjahr sein soll, werden mehr als 200000 Gäste erwartet.