Obama übergibt Merkel den Staffelstab als Führerin der freien Welt

Es erscheint nun ein wenig so, als wolle er ihr den Staffelstab als Führerin der freien Welt übergeben. Denn diese Rolle wird kaum Donald Trump übernehmen können, jedenfalls sehen das viele in dieser freien Welt so. Timothy Garton Ash zum Beispiel, der britische Historiker und Publizist. Er schrieb jüngst genau das: „Der Satz ‚Führer der freien Welt‘ wird gewöhnlich dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zuerkannt, und selten ohne Ironie. In bin versucht zu sagen, dass die Führerin der freien Welt nun Angela Merkel ist“, und er meinte das gar nicht ironisch. Ebenso wenig wie die New York Times, die die deutsche Kanzlerin als „letzte Verteidigerin des freien Westens“ feierte.

„Wir müssen neue Brücken bauen“

Es ist bezeichnend, dass Obamas 2008 in Berlin ausgesandte Botschaft der des Jahres 2016 durchaus ähnelt: „Wir müssen neue Brücken bauen“, rief er damals an der Siegessäule. Und dafür hätten die USA keinen besseren Partner als Europa. Das ist auch die Botschaft seines jetzigen Besuchs, der ein Signal der Solidarität sein soll an diese engsten Verbündeten der USA, wie Obama sie versteht.

Und so versammeln sich am Freitag in Berlin mit Angela Merkel noch einmal die wichtigsten westeuropäischen Führer um ihn: Francois Hollande aus Frankeich, Theresa May aus Großbritannien, Matteo Renzi aus Italien, Mariano Rajoy aus Spanien. Was als Abschiedstreffen gedacht war, ist zu einer Art Krisengipfel geworden: Was tun mit dem neuen US-Präsidenten, vor allem aber: was tun gegen den Sturm des rechten Populismus, der nach dem Sieg in den USA nun auch Österreich, Holland und Frankreich bedroht, der in Polen und Ungarn schon herrscht und in Deutschland immer mehr Anhänger findet.

Obamas Berater wiesen vor der Reise darauf hin, dass seine Rede, die er am Mittwoch in Athen halten wollte, den Wahlausgang in den USA und die Frage nach den Ursachen reflektieren werde. Dabei gehe es um die Erkenntnis, dass Globalisierung und Digitalisierung eben nicht nur Vorteile brächten. Sondern dass viele Menschen das Gefühl hätten, sie hätten keine Kontrolle mehr über Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, dass soziale Ungerechtigkeiten nicht weniger würden, sondern oft auch wüchsen. Man müsse mehr tun, um nachhaltigeres Wachstum zu schaffen und Ungleichheit zu bekämpfen.