Baton-Rouge: Schütze Gavin Long rief zur Revolution auf

Cleveland - Wut und Rachegedanken ließen ihn offenbar zur Waffe greifen. Zumindest leitet das die Polizei aus Einträgen und Videos ab, die der Todesschütze im Internet hinterlassen hat. Gavin Long, ehemaliger Angehöriger der US-Marineinfanterie, rief darin zur Revolution auf. Dann übte er Selbstjustiz. Am Sonntag tötete der Afro-Amerikaner in Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana drei Polizisten und verletzte drei Beamte, bevor er selbst getötet wurde.

Obama spricht sich gegen Gewalt aus

Wieder einmal sind die Spannungen zwischen Schwarzen und der Polizei eskaliert. Wie schon im Falle der Todesschüsse auf fünf Polizisten in Dallas vor zehn Tagen appellierte US-Präsident Barack Obama an seine Landsleute, die Probleme nicht mit Gewalt zu lösen. Und wieder einmal versuchte der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump, die Tragödie für Eigenwerbung zu nutzen.

Todesschütze begang die Tat an seinem Geburtstag

Long, der im Irak-Krieg eingesetzt war, schlug an seinem 29. Geburtstag zu. Er lieferte sich ein Feuergefecht mit Polizisten in Baton Rouge. In der Stadt in Louisiana ist die Lage besonders angespannt, weil dort weiße Polizisten Anfang des Monats den Afro-Amerikaner Alton Sterling mit Schüssen aus ihren Dienstwaffen getötet haben, während dieser offenbar hilflos am Boden lag. Das und ein weiterer Fall von Polizeigewalt in St. Paul/Minnesota ließ in den USA eine Protestwelle in Gewalt umschlagen.  

Der Fall von Dallas

In der Nacht zum 8. Juli erschoss in Dallas am Rande einer Demonstration ebenfalls ein schwarzer Ex-Soldat fünf Polizisten. Er verschanzte sich in einem Gebäude und gab nach Angaben der Polizei an, er sei wegen des Todes der zwei Schwarzen in den Tagen zuvor aufgebracht gewesen und habe weiße Polizisten töten wollen. Die Polizei tötete ihn mit einem Sprengsatz.

Long hatte Rachegedanken gegenüber US-Beamten

Ähnliche Motive wie den Schützen von Dallas schienen auch den Mann in Baton Rouge getrieben zu haben. In mehreren Internet-Videos rief vor seiner Tat zum gewaltsamen Widerstand gegen die Polizei auf. In einem Video sagte er: „100 Prozent aller Revolutionen waren nur erfolgreich, weil Blut vergossen wurde. Null (Prozent) waren erfolgreich, nur weil protestiert wurde. Das funktioniert nicht. Das hat niemals funktioniert, und es wird niemals funktionieren. Man muss zurückschlagen. Das ist der einzige Weg, um einen Tyrannen in die Schranken zu weisen.“

Zu den drei Todesopfern von Baton Rouge gehört auch ein afro-amerikanischer Polizist. In einem Facebook-Eintrag hat der 32 Jahre alte Montrell Jackson erst vor kurzer Zeit eindringlich geschildert, wie er sich als Schwarzer fühlt, der bei der Polizei in Baton Rouge arbeitet. „Ich liebe diese Stadt, aber ich frage mich, ob diese Stadt mich liebt“, schrieb Jackson: „In Uniform bekomme ich hasserfüllte Blicke, und ohne Uniform sehen mich manche als Bedrohung an.“ Trotzdem habe er die Hoffnung, dass es besser werde.

Seitenhieb gegen Trump

Präsident Obama mahnte mit ähnlichen Worten, wie er sie Mitte vergangener Woche bei der Trauerfeier für die getöteten Polizisten in Dallas verwendet hatte. Er sprach von einer „feigen Tat“. Die Menschen sollten ihre Herzen öffnen, gemeinsam gegen Gewalt einstehen und ihre Ausdrucksweise mäßigen. Das war indirekt ein Seitenhieb auf den Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Donald Trump. Der Populist versuchte die Empörung über den erneuten Ausbruch der Gewalt im Land sofort für seine Zwecke zu nutzen und ließ über Twitter verbreiten: „Wie viele Angehörige der Strafverfolgungsbehörden und Leute müssen sterben, weil es unserem Land an Führung mangelt? Wir fordern Recht und Ordnung.“

Auswirkungen auf Parteitag in Ohio erwartet

Die Todesschüsse von Louisiana dürften auch den Parteitag der Republikaner in Cleveland/Ohio prägen. Dort wollen die US-Konservativen in dieser Woche Trump zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November ernennen. Demonstrationen von Trump-Gegnern und Trump-Befürwortern sind angekündigt. Am Montag, dem ersten offiziellen Tag der sogenannten Convention, blieb es zwar zunächst ruhig auf den Straßen von Cleveland. Doch das könnte sich schnell ändern.

Gewehre dürfen offen getragen werden

In einer Kirche versammelten sich am Sonntag Mitglieder der Black-Power-Bewegung. Unter ihnen war der Rechtsanwalt Malik Zulu Shabazz, der einst die New Black Panther Party anführte. Das ist eine militante Organisation schwarzer Amerikaner, der Bürgerrechtler Rassismus und Antisemitismus vorwerfen. Shabbaz sagte, die Situation in den USA erinnere ihn an tektonische Platten, die sich immer stärker aneinander rieben. Trump verstärke den Druck auf die Platten. Deswegen werde es immer neue Erdbeben geben. Auch die Tatsache, dass Cleveland in einem Bundesstaat liegt, in dem Waffenscheininhaber Gewehre offen auf der Straße tragen dürfen, trug nicht dazu bei, die Spannungen zu verringern.