Berlin - Geht es um den Klimaschutz wird ein entscheidender Bereich allzu gern verdrängt: Der Bau- und Gebäudesektor. Dabei entstehen hier 40 Prozent der CO2-Emissionen und mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland. Wahnsinnig! 2,6 Millionen Tonnen Kunststoffe werden jährlich verbaut, hat das Umweltbundesamt nun ermittelt. Und meist landen die Kunststoffe beim Abriss der Gebäude im Müll – mit fatalen Folgen für Klima und Umwelt. Auch wertvolle Materialien wie Gipsplatten, Betonfertigteile und Glas ereilt dasselbe Schicksal.

Dabei könnten die Materialien wie Kunststoff recycelt und wiederverwendet werden, Stichwort: zirkuläres Bauen. So reduziert man nicht nur Müll und CO2-Emissionen, sondern spart auch wertvolle Ressourcen, wie Sand, Kies oder Holz, die durch den Bau-Boom immer knapper werden.

Neubauten sind der Abfall von morgen

Immerhin: Der neue Berliner Senat verspricht im Koalitionsvertrag, das Recycling von Bauteilen deutlich zu verstärken und den Bausektor auf Nachhaltigkeit auszulegen. Im öffentlichen Bauvorhaben gibt es zudem bereits verbindliche Regelungen, etwa beim Abriss öffentlicher Gebäude die Baustoffe zu recyceln – ein guter erster Schritt.

Doch das Recycling von Baumaterialien muss bereits bei der Planung von Neubauten mitgedacht werden. Denn Neubauten von heute sind der Abfall von morgen. Auch der private Bausektor braucht endlich verbindliche Regelungen. Berlin kann nur eine Vorbildfunktion einnehmen, wenn es begreift, dass die Baumaterialien längst vorhanden sind. Die Stadt ist ein riesiges Rohstofflager – wir müssen es nutzen.