Berlin - Der Berliner Senat und die Bezirke erlauben mit Verweis auf steigende Bevölkerungszahlen inzwischen Projekte, die selbst die Dichte von kaiserzeitlichen Mietskasernen übertreffen. Trotzdem reichen die Neuvermietungspreise im einst so billigen Berlin inzwischen an die in München oder Hamburg heran, ebenso die Kaufsummen. Ähnlich sieht es in allen deutschen und europäischen Großstädten aus. Eine logisch erscheinende Schlussfolgerung scheint also zu sein: Gebt mehr Bauland an den Stadträndern frei, damit diejenigen, die das Geld und die Lust dazu haben, sich dort ihr Häuschen bauen können und damit Platz in den Innenstädten frei machen.

Es ist eine Versuchung, der die Städte, die Politiker, die Verwaltungen und wir alle unbedingt widerstehen müssen. Auch wenn sie sich dann mit dem seit der Kaiserzeit wohl eingespielten Netzwerk von Bauindustrie, Bausparkassen, Erben- und Landbesitzer-Lobbys aller politischen Richtungen anlegen müssen. Auch die SPD huldigt „Omas kleinem Häuschen“, Konservative und Liberale setzten seit der Kaiserzeit darauf, die Revolution mit Eigentumssinn zu bekämpfen. Das nur von einer Familie bewohnte Haus sei die Rettung der Gesellschaft. Noch kürzlich zu lesen in Der Spiegel: „Die Grünen“, wurde da in einem wutschnaubenden Kommentar behauptet, wollten zwar Tiere aus Käfigen befreien, Menschen aber in „sanierte Plattenbausiedlungen“ zwingen. Ein „später Triumph der DDR-Wohnungsbaupolitik“. Dabei sei auch der große Dramatiker Heiner Müller gegen die Platte gewesen. Und „der Trend zum Homeoffice“ spräche doch „fürs Häuschen in der Vorstadt“, für den „kleinen Garten mit Grill und Kinderschaukel“.

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