Weltweit schwammen die Lebensretter aus Malibu auf einer riesigen Erfolgswelle. Premiere feierte „Baywatch“ im US-Fernsehen vor genau 30 Jahren, am 23. April 1989. Mehr als eine Milliarde Menschen in 144 Ländern waren Woche für Woche dabei, wenn der fönwellige Mitch Buchannon (David Hasselhoff) und seine allzeit vollbusigen Mitstreiterinnen ins Meer hüpften, um todesmutig gegen Gischt, Getier und Ganoven zu kämpfen.

Kaum Requisiten, kaum Talent

Dabei war der große Erfolg der Serie zunächst überhaupt nicht absehbar. In Amerika floppte die erste Staffel und wurde abgesetzt. Doch Hasselhoff glaubte an das Konzept aus kalifornischer Sonne und knapper Badebekleidung und so produzierte der Hauptdarsteller, der später auch als Sänger zumindest in Deutschland Erfolge verzeichnete und sich selbst als mitverantwortlich für den Fall der Berliner Mauer sieht, die Serie ohne die Unterstützung großer Studios einfach selbst. Und hielt an den dünnen Geschichten fest: Playmate Pamela Anderson alias C. J. Parker und die anderen Strandschönheiten benötigten weder viele Requisiten noch übermäßiges schauspielerisches Talent, um „Baywatch“ zu einem irrsinnigen Erfolg werden zu lassen, und so behauptete Hasselhoff noch Jahre später, dass es allein Andersons Ausstrahlung zu verdanken gewesen sei, dass sie für sie Serie gecastet wurde: „Als wir sie baten, eine Seite aus dem Drehbuch vorzulesen, stand sie auf, streifte ihr Top und den Rock ab und hatte einen Badeanzug drunter – die Jungs konnten ihren Blick nicht von ihr losreißen.“

Muskelbepackte Rettungsschwimmer und sportgestählte Frauen mit perfekten Maßen passten 1989 genau zum Fitnesswahn des ausgehenden Jahrzehnts, das mit der Aerobicwelle die körperliche Ertüchtigung für die im wahrsten Sinne breite amerikanische Masse in Gang gesetzt hatte. Dass die Serie zudem im sonnenverwöhnten und zumeist sportbesessenen Kalifornien spielte, war kein Zufall. Nirgendwo in der Vereinigten Staaten wird so ausgiebig dem Strandleben und der Körperkultur gefrönt, wenn auch immer im Rahmen amerikanisch-prüder Vorstellungen. 

„Baywatch“ hatte Charme

Ähnlich schlank wie die Darsteller waren zumeist auch die Handlungsstränge der Serie: Im gleißenden Sonnenlicht mit der Rettungsboje im Anschlag, videoclipartig möglichst in Zeitlupe, einer ertrinkenden Person mit Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben retten. Dazu Tändeleien und Gaunereien – das war’s. Trotzdem hatte „Baywatch“ Charme, der heitere Hedonismus wirkte nie berechnend, immer transportierten sich eine gehörige Portion Spaß und Harmlosigkeit durch die Serienminuten, die Arglosigkeit der Handlungsstränge erinnerte an das Spiel von Kindern am Strand. Die UV-Angst späterer Jahre war noch fern, Lichtschutzfaktor 2 die Regel.

Wie sehr sich die Ästhetik hingegen in die kollektive westliche Vorstellung von Schönheit und Wohlbefinden eingebrannt hat, zeigt die Werbung bis heute – wer einmal den Clip eines Abnehmpülverchens vor der Tagesschau gesehen hat, der erkennt direkt das Serien-Vorbild „Baywatch“.

Die Besetzungsliste der 243 Folgen wechselte mit den Jahren regelmäßig. Erika Eleniak, Yasmine Bleeth, Gena Lee Nolin, Donna D'Erico, Carmen Electra und Tracy Bingham sind nur einige der auf- und untergegangenen Sternchen über dem kalifornischen Ozean.

Im Gegensatz zu vielen ihrer früheren Kolleginnen, die in der Versenkung verschwanden, stiegen nur wenige der Darstellerinnen zu echter Berühmtheit auf, namentlich Carmen Electra und natürlich Pamela Anderson, dieser Prototyp der fröhlichen, wohlgeformten und unterkomplexen Blondine kalifornischer Prägung. Anderson ist bis heute präsent, ob durch Brustvergrößerungen, Prügeleien mit Verflossenen, Scheidungen und Affären, macht aber auch als politische Aktivistin von sich reden, auf den Kopf gefallen ist die Mutter zweier Söhne jedenfalls nicht. So nahm sie im Jahr 2013 am New-York-Marathon teil und sammelte dadurch Spenden für Erdbebenopfer in Haiti. Zudem engagiert sich Anderson unter anderem für die Tierschutzorganisation PETA.

Die lebende Badehose

David Hasselhoff indes war schon vor „Baywatch“ ein Serienheld des amerikanischen Fernsehens. Ab 1975 spielte er sieben Jahre lang in der erfolgreichen Seifenoper „The Young And The Restless“. In den 80ern wurde auch das deutsche Publikum auf ihn aufmerksam, als „Knight Rider“ Hasselhoff mit seinem futuristischen und geschwätzigen Auto namens „KITT“ am 29. August 1985 auf Sendung ging.

Daneben machte sich Hasselhoff im deutschsprachigen Raum als Musiker einen Namen. Sein von Jack White produzierter Hit „Looking for Freedom“ stürmte 1989 die Charts, der Titel hielt sich acht Wochen auf Platz 1. Beim Konzert am Silvestertag auf der Berliner Mauer sang er vor 500.000 Menschen.

In Deutschland wurde „Baywatch“ zunächst im Ersten gezeigt, erst 2001 fiel nach 243 Folgen – inklusive der Ableger „Baywatch Nights“ und „Baywatch Hawaii“ – die letzte Klappe.