Hanau - Wegen der anhaltenden Flüchtlingstragödien im Mittelmeer wollen Aktivisten aus mehreren europäischen Ländern sowie Marokko und Tunesien ein Notruf-Telefon für Bootsflüchtlinge einrichten. In Seenot geratene Flüchtlinge sollen damit die Initiative „Watch the Med“ alarmieren können, damit die zuständigen Behörden unter Druck gesetzt und Rettungsaktionen überprüft werden könnten, heißt es in dem am Mittwoch deutschlandweit veröffentlichten Aufruf. „Weil die Küstenwachen immer wieder untätig bleiben, kommt es zu unnötigen Opfern. Das wollen wir versuchen, zu verhindern“, sagte Hagen Kopp, Mitinitiator der Initiative, aus Hanau.

Die Nummer der Hotline, die in Nordafrika und der Türkei an potenzielle Flüchtlinge verteilt werden soll, ist nach Angaben der Aktivisten vom kommenden Wochenende an rund um die Uhr erreichbar. Das Angebot werde unter anderem von der Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und dem ehemaligen UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler unterstützt.

Die Initiative war nach eigenen Angaben vor knapp einem Jahr nach einem der zahlreichen Bootsunglücke vor Lampedusa gegründet worden. Aus Sicht der Aktivisten war die Rettung der Flüchtlinge in diesem Fall unnötig verzögert worden. In Deutschland beteiligen sich derzeit Ehrenamtliche aus Hanau, Berlin, Hamburg und Bremen am Projekt.

Immer wieder ertrinken Flüchtlinge bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa: Seit Anfang des Jahres wurden nach Berichten mehr als 3000 Mittelmeer-Tote registriert.

„Frontex Plus“ löst „Mare Nostrum“ ab

Die Operation „Frontex Plus“ unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex soll künftig die italienische Kontroll- und Rettungsmission „Mare Nostrum“ ablösen. Allerdings sind sowohl die Finanzierung als auch der Umfang der Mission noch unklar. Damit Frontex-Missionen zustande kommen, müssen die EU-Staaten Material und Personal stellen. (dpa)