Beirut - Irgendwann im vergangenen Jahr, als immer mehr Menschen aus Syrien auf der Flucht waren und auf abenteuerlichen Wegen bis nach Berlin kamen, hatte der Fotograf und Hochschullehrer Matthias Leupold die Idee, den Prozess mal ganz kurz umzudrehen. Er wollte nicht immer nur Bilder sehen von Flüchtlingen, die hier abgekämpft ankommen.

Er wollte lieber wissen, was dort los ist, wo die Menschen herkommen, wie ihr alltägliches Leben aussieht und wie man es fotografisch dokumentieren kann. Er wollte die Kamera umdrehen und an den Anfang der Bewegung zurückgehen.

An der Berliner Technischen Kunsthochule, an der Leupold unterrichtet, bot er einen Fotografieworkshop an. Eine Woche so dicht dran wie möglich am Kriegsgebiet. Syrien kam als Reiseziel aufgrund der Sicherheitslage nicht infrage, aber der direkte Nachbar: Beirut im Libanon.

Das fiel ihnen nicht leicht

Der Libanon hat vier Millionen Einwohner, beherbergt aber 1,5 Millionen Flüchtlinge. Bis 1975 war die Stadt an der Levanteküste ein Handels- und Vergnügungszentrum und ein interkonfessioneller Treffpunkt. Dann kamen 16 Jahre Bürgerkrieg und mit ihm die Zerstörung der Innenstadt.

Wie würde das wohl heute aussehen? Neun Studenten und eine Künstlerin begleiteten ihn. Die Reise fand Ende Mai statt. Mittlerweile sind die Studenten zurück. Sie haben Hunderte Fotos mitgebracht.

Jeder der neun Studenten interessierte sich für andere Dinge. Wir haben sie gebeten, ihre besten Bilder auszuwählen, jene Fotos, die zeigen, was jeden Einzelnen auf der Reise am stärksten berührt hat. Das fiel ihnen nicht leicht. Am Ende ist dabei ein sehr persönlicher Blick auf ein kleines Land und seine Hauptstadt entstanden.  

Die Moral-Polizei passt auf

Für Merve Terzi ist es K., ein muslimischer Libanese aus Beirut. K. (links) möchte seinen vollen Namen nicht nennen. Denn er lebt sein Leben inkognito, mit Lügen und Geheimnissen und immer mit dem Risiko, erwischt zu werden. K. ist homosexuell. Er würde eher eine falsche Heirat eingehen, als sich vor seiner Familie zu outen.

Über Apps wie Tinder und Grindr suchen sich Homosexuelle im Libanon Alibipartner zum Heiraten. Dies ist für viele ein Stück Freiheit – eine Art, ihr Leben weiterhin zu führen, zwar versteckt, jedoch ohne Gefahr zu laufen, sich vor ihren Familien erklären zu müssen.

Merve Terzi hat K. im Café Em Nazih in der Innenstadt fotografiert. Zu offensichtlich sollte man seine Liebe und Zuneigung in der Öffentlichkeit nicht ausleben, sagt sie, selbst heterosexuelle Paare können sich beim Küssen in der Öffentlichkeit strafbar machen. Die Moral-Polizei passt auf.