Die Ernennung des kampferprobten Offiziers Christopher Miller zum interimistischen amerikanischen Verteidigungsminister hat zu zahlreichen Spekulationen geführt. Der russische Staatssender Russia Today fragt in einer Analyse effektheischend, ob es sich bei der Entlassung des Miller-Vorgängers Mark Esper um eine „Putsch-Vorbereitung“ durch Donald Trump handeln könnte. Dieser wolle sein Amt ja offenbar nicht freiwillig aufgeben.

Die steile These entspringt nicht einer Überdosis an Wodka bei den Kreml-Propagandisten: Das linksliberale US-Magazin The Nation hat die Idee in die Welt gesetzt. Hier heißt es, man müsse „wachsam sein, ob die Ernennung eines Veterans der Spezialtruppen einen heimlichen Plan signalisiert, demzufolge das US-Militär einen illegalen Versuch des Weißen Hauses unterstützt, die Demokratie zu unterwandern und Trump als Diktator zu installieren“.

Miller ist kein Karrierediplomat. In seiner erst kurz zurückliegenden aktiven Militärzeit hat er unter anderem „tüchtig und tapfer“ im Irak und in Afghanistan an der Seite der CIA gegen den IS und gegen Al Kaida gekämpft hat, wie The Nation nicht ohne Stolz erzählt. Der Verdacht, Trump könne einen Putsch planen, resultiert aus einem Konflikt des Präsidenten mit dem gefeuerten Esper: Dieser hatte sich dagegen ausgesprochen, das Militär gegen die Ausschreitungen nach der Ermordung von George Floyd in amerikanische Städte zu schicken.  

Miller  hat unter anderem Douglas Macgregor in sein Team berufen. Macgregor hätte eigentlich Botschafter in Deutschland werden sollen und ist ein ausgesprochener Gegner der US-Militäreinsätze im Irak und Afghanistan. Daher hat der Wechsel im Pentagon auch zu der Spekulation geführt, dass Trump den Truppenabzug aus Afghanistan beschleunigen will – bevor er selbst das Weiße Haus räumen wird.