Südkorea hat Hinweise auf einen weiteren geplanten Raketentest Nordkoreas. Die Regierung in Pjöngjang bereite den „Abschuss einer ballistischen Rakete vor“, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul am Montag. Die Bundesregierung bestellte daraufhin den nordkoreanischen Botschafter für Montagnachmittag ins Auswärtige Amt ein. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach sich für eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea aus. Die Weltgemeinschaft müsse nun geschlossen und entschieden reagieren, sagte er.

Nach eigenen Angaben hatte Nordkorea bereits am Sonntag einen Atomwaffentest durchgeführt. Dessen Sprengkraft schätzte die südkoreanische Regierung in Seoul zuletzt auf 50 Kilotonnen. Das wäre dreimal so stark wie die Atombombe, die die USA 1945 auf das japanische Hiroshima abwarfen.

Keine Bestätigung gibt es bisher für nordkoreanische Angaben, es habe sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt. Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte aber, es sei „nukleares Material“ zum Einsatz gekommen. Wegen ihrer übergroßen Vernichtungskraft und der unkontrollierbar freigesetzten Strahlung gilt die Wasserstoffbombe bei vielen Militärexperten als eigentlich kaum noch einsetzbar.

Trump wägt eigenen Militärschlag ab

Die erneute Provokation Nordkoreas hatte bereits am Sonntag für weltweite Empörung gesorgt. US-Präsident Donald Trump verwies explizit auch auf die Atomwaffen seines Landes, um die USA und ihre Verbündeten gegen jegliche Bedrohung aus Nordkorea zu verteidigen. Auf die Frage eines Reporters, ob er einen Militärangriff auf Nordkorea plane, sagte Trump am Sonntag: „Wir werden sehen.“

Später telefonierte er mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe und sagte ihm laut Weißem Haus erneut zu, dass die USA ihr eigenes Gebiet sowie ihre Verbündeten verteidigen würden, wobei „die volle Bandbreite der diplomatischen, konventionellen und nuklearen Möglichkeiten eingesetzt“ würde. Beide Seiten verurteilten die ständigen „Provokationen“ Nordkoreas. Zudem werde laut Trump geprüft, Handelsbeziehungen zu Staaten abzubrechen, die mit Nordkorea Geschäfte machen - was vor allem Pjöngjangs Verbündeten China treffen würde.

China selbst kritisierte ebenfalls den Atomtest Nordkoreas. Ein Sprecher des Außenministeriums äußerte am Sonntag in Peking „den entschiedenen Widerstand“ der chinesischen Regierung, die den Atomversuch „energisch verurteilt“. Nordkorea solle aufhören, „falsche Aktionen zu unternehmen, die die Situation verschlimmern“.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erwähnte den Atomwaffentest zunächst allerdings mit keinem Wort, als er mit einer 50-minütigen Rede zur Lage in der Welt das Wirtschaftsforum des diesjährigen Brics-Gipfels in der südostchinesischen Hafenstadt Xiamen eröffnete. Zu der Gruppe gehören Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

Brics-Staaten reagieren gemeinsam, Macron will Reaktion der EU

Die Brics-Staaten verurteilten die Provokationen Nordkoreas am Montag jedoch in einer gemeinsamen Erklärung. Auf dem Gipfel forderten die Staats- und Regierungschefs der aufstrebenden Volkswirtschaften, dass die Probleme „nur durch friedliche Mittel und direkten Dialog aller betroffenen Parteien gelöst werden sollen“. Sie äußerten ihre „tiefe Sorge“ über die anhaltenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und den Konflikt um das Atom- und Raketenprogramm, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua aus einer gemeinsamen Erklärung zitierte.

Nach dem Treffen von Xi Jinping mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Vorabend sagte dessen Sprecher Dimitri Peskow, der Kremlchef fordere dazu auf, „sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, ruhig und ausgeglichen zu reagieren“. Eine umfassende Lösung könne nur mit politischen und diplomatischen Mitteln gefunden werden. 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte eine schnelle Reaktion der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats. „Die internationale Gemeinschaft muss diese neue Provokation mit größter Standhaftigkeit behandeln“, teilte der Élyséepalast am Sonntag in Paris mit. Ziel sei es, Nordkorea dazu zu bringen, „ohne Bedingungen auf den Weg des Dialogs zurückzukehren und die vollständige, überprüfbare und irreversible Stilllegung seiner nuklearen und ballistischen Programme vorzunehmen“.

Macron sprach von einer „neuen Verletzung des Völkerrechts und des Nichtverbreitungsregimes (...) durch Nordkorea“. Der französische Präsident wünsche sich auch eine vereinte und klare Reaktion der Europäischen Union, hieß es weiter.

Südkoreas Militär simulierte, als Reaktion auf Nordkoreas Atomwaffentest, mit Raketen unterschiedlicher Reichweite vom Boden und mit Kampfjets einen Angriff auf das nordkoreanische Atomtestgelände im Nordosten des Nachbarlandes. (afp/dpa/BLZ)