Eine Fressbude auf dem Weihnachtsmarkt in München 2018.
Foto: imago images/Alexander Pohl

BerlinMir tun die Weihnachtsmarktbudenbesitzer am allermeisten leid. Immerhin spricht vieles dafür, dass ihr Geschäft coronabedingt diesen Winter nicht stattfinden kann. Die Gründe liegen auf der Hand, die Horrorszenarien auch: dicht gedrängte Menschenmassen, die sich über dem Glühwein hauchend die Aerosole in Rachen pusten und sturzbetrunken für eine dritte Corona-Welle sorgen. Wer kann das wollen? Niemand.

Der Weihnachtsmarkt am Alex könnte, wegen der Ballermann-Atmosphäre im alljährlich aufgestellten Bierzelt, störanfälliger sein als der gediegene Weihnachtsmarkt in Charlottenburg. Obwohl?! Vor dem Charlottenburger Schloss treten alljährlich Blaskapellen auf, auch die sind nicht ganz ungefährlich. Eine hunderprozentige Sicherheit kann es also nicht geben.

Im ARD-„Deutschlandtrend“ hatten fast zwei Drittel der Befragten dafür plädiert, die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr geschlossen zu halten. Jens Spahn äußerte sich etwas optimistischer: Wenn es gelänge, Weihnachtsmärkte durch strenge Hygiene- und Einlassregeln abzusichern, könnte er sich einen Betrieb durchaus vorstellen. Das hieße also vermutlich: reduziertes Publikum, Maskenpflicht, UV-Heizpilze als Virenkiller und Blaskapellen- und Alkoholverbot. Ich sehe die Corona-Leugner schon auf die Barrikaden springen und das „totale Recht auf den Weihnachtsmarktbesuch“ einfordern.

Man müsste einen Mittelweg finden. Vielleicht wird ja der Weihnachtsmarkt zum Stresstest für die landesweit zerstrittene Corona-Gesellschaft. Dann könnten die Deutschen beweisen, dass sie ihn erstreiten können: den Kompromiss. Ich kann auf Weihnachtsmärkte gut verzichten. Viele Deutsche können es nicht. Also: Öffnet die Märkte, reduziert das Publikum, subventioniert die Schausteller, sorgt für eine Hygienekonzept und tauscht Ballermann-Musik gegen Jazz aus. Dann hätten alle etwas davon – und der Weihnachtsmarkt wäre gerettet.