Köln/Berlin - Wenige Tage nach dem Anschlag mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, bei dem insgesamt zwölf Menschen getötet und rund 50 weitere zum Teil schwer verletzt wurden, fordert eine Online-Petition nun das Bundesverdienstkreuz für Lukasz U..

Der 37-Jährige war bisherigen Ermittlungen zufolge der ursprüngliche Fahrer des Sattelschleppers und nach der Todesfahrt durch die Budengasse des Weihnachtsmarktes tot auf dem Beifahrersitz gefunden worden. Laut Generalbundesanwalt Frank wurde U. in der Fahrerkabine erschossen.

Beherzter Griff ins Lenkrad

Medienberichten zufolge soll der polnische Staatsbürger zum Zeitpunkt der Todesfahrt noch am Leben gewesen sein und versucht haben, dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri ins Lenkrad zu greifen, um Schlimmeres zu verhindern. Amri habe dann mit einem Messer auf ihn eingestochen und ihn erschossen, als das Fahrzeug zum stehen kam.

Geht es nach den Gründern der Online-Petition auf Change.org, soll U. nun für seinen Mut geehrt werden. Dort heißt es: „Aktuellen Berichten zufolge zeigt die Obduktion, dass er mit dem Täter gerungen hat und von diesem schwer verletzt und schließlich getötet wurde. Mit diesem heldenhaften Handeln hat er vermutlich viele Menschenleben gerettet und ein großes Zeichen gesetzt für die Freundschaft und Aussöhnung zwischen unserem Land und Polen--dem unsere Vorfahren Furchtbares angetan haben. Alle Deutsche, nicht nur die Berliner, haben Grund, seiner zu gedenken, und seinen Hinterbliebenen (seiner Frau und seinem Sohn) zu danken. Für diese Tapferkeit verdient er Deutschlands höchsten Orden.“

Ob U. diese Ehre zukommen wird, ist offen. Auf der Plattform Change.org gab es bis Montagnachmittag mehr als 33 000 Unterstützer für das Anliegen.

Brite sammelt Spenden

Unterdessen sammelt ein Brite seit dem Tag nach dem Anschlag über die Crowdfunding-Plattform gofundme.com Spenden für die Hinterbliebenen des getöteten Lkw-Fahrers. „Obwohl ich Lukasz nicht kannte – die Geschichte von seinem viel zu frühen Tod hat mich schockiert und angewidert“, schreibt Dave Duncan aus dem englischen Leeds.

Über 160.000 Euro sind seit dem Aufruf zusammengekommen (Stand: 24.12.). „Das ist unglaublich“, kommentierte Duncan, der angibt, selbst Lkw-Fahrer zu sein, bereits am Freitag die Aktion. „Ich hatte das hier eigentlich nur gestartet, in der Hoffnung, ein paar Hundert Pfund von gutherzigen britischen Trucker-Familien zusammenzubekommen. Und jetzt diese wunderbare Großzügigkeit von Menschen aus aller Welt – unglaublich“, so Duncan.

Duncan teilte mit, dass er Kontakt mit der Spedition von Ariel Zurawski aufgenommen habe – um sicher zu gehen, „dass alle eure Spenden die Ehefrau von Lukasz erreichen.“