Berlin -  Sie hat sich im Wahlkampf verausgabt, und am Ende merkte man es ihr auch an. Bettina Jarasch, die Spitzenkandidatin der Grünen in Berlin, wirkte ein wenig blasser und auch ein wenig gereizter als sonst. In der Wahlarena beim Fernsehsender rbb zum Beispiel, der letzten live übertragenen Debatte vier Tage vor der Wahl. 

Drei Frauen und drei Männer, die das Rote Rathaus übernehmen wollen, stritten noch mal über Mieten, Radwege, Klinikstreik, die großen Berliner Themen. Aber das Thema, mit dem Jarasch und die Grünen in den Wahlkampf gezogen waren, kam gar nicht vor. Sie sprach es selbst einmal an, man hörte ihr an, dass sie sich ärgerte. Sollte es bei dieser Wahl am Ende wirklich gar nicht ums Klima gehen?

Konnte sie Fans der Klimaliste noch überzeugen?

„Berlin zur grünen Hauptstadt machen“, mit diesem Slogan war Jarasch gestartet. Eine Politikerin, deren Name zwei von drei Berlinern noch nie gehört hatten.  Sie lag trotzdem vorn, sehr weit vorn sogar. Ende April lagen die Grünen in Berlin in Umfragen bei 27 Prozent -  zehn Prozentpunkte vor der SPD. Vielleicht hat das die Grünen übermütig gemacht? Sie druckten Jaraschs Namen so klein auf die Wahlplakate, als spiele gar keine Rolle, wer für sie Regierende Bürgermeisterin werden will und ob die Berliner ihre Spitzenkandidatin kennen oder nicht. Die Grünen wollten schließlich „Parkplätze zu Parks“ machen, wer braucht da ein Gesicht?

Bettina Jarasch eilte von Termin zu Termin, bis zuletzt, am Sonnabend vor einer Woche besuchte sie alle zwölf Bezirke noch einmal. In zwölf Stunden, mit zwölf Verkehrsmitteln. Natürlich nur mit umweltfreundlichen. Beim Kartoffelfest in Dahlem, einer Kinder-Fahrrad-Demo in Reinickendorf oder beim Müllsammeln in einem Pankower Park dürfte sie nicht den Durchschnittsberliner getroffen haben. 

Aber vielleicht reichte es ja am Ende, die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren? Die Umfragewerte für die Grünen stürzten im Sommer ab, die SPD zog vorbei und lag auch bei den letzten Befragungen vorn. Mal mehr, mal weniger deutlich. Bettina Jarasch schien wieder aufzuholen. Eine Umfrage sah die Grünen in Berlin sogar fast gleichauf mit der SPD - zugleich hatten viele Befragte angegeben, noch unentschieden zu sein oder kleinen Parteien ihre Stimme geben zu wollen.

Konnten die Grünen am Ende noch Fans der Klimaliste, der Tierschutzpartei oder von Volt für sich erobern? Ein Sieg für Jarasch oder ein knappes Rennen mit ihrer Konkurrentin Franziska Giffey wäre die Überraschung des Abends in Berlin.

Allerdings wussten auch eine Woche vor der Wahl noch immer mehr als 60 Prozent der Berliner nicht, wer die Spitzenkandidatin ist. Deshalb zum Schluss eine Erinnerung: Bettina Jarasch, 52, kam vor 29 Jahren aus Augsburg nach Berlin, war Journalistin, Co-Chefin der Berliner Grünen, dort nennt man sie „Brückenbauerin“, weil sie die Lager versöhnt hat. Eine Fähigkeit, die auch in Koalitionsverhandlungen hilfreich sein könnte.