Berlin -  „Fehleinschätzung“ war das Wort der Woche: Es beschrieb das In-sich-Zusammenfallen des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr (und der westlichen Operation überhaupt). Niemand wusste, was in Afghanistan los war oder wollte es nicht wissen, weil es das selbstgeschaffene Bild störte. Die Folgen sind unmittelbar dramatisch, und nur in einer einzigen Hinsicht sei eine Assoziation erlaubt: Das Wort „Fehleinschätzung“ steht auch über etlichen Kapiteln der deutsch-deutschen Einigungsgeschichte.

Das jüngste Beispiel lieferte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier nach Besuchen in ostdeutschen Investitionsprojekten von Siemens, Bosch, VW und BASF ,„Leuchttürmen“ moderner Industrie. Er nahm dies zum Anlass zusagen: „Es ist Zeit für ein neues Selbstbewusstsein in Ostdeutschland.“ In seiner Rede vom 13. August 2021 hatte er – wie allgemein üblich - alle Bürgerinnen und Bürger der DDR pauschal zu Insassen des sogenannten „Unrechtsstaates“ erklärt. So vernichtet man Selbstbewusstsein. Ein Kommentar in der Berliner Zeitung erinnerte daraufhin: „In der DDR lebten auch denkende Menschen, die meinten, der DDR-Sozialismus hätte ihnen etwas zu bieten.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.