In der Karl-Marx-Allee gehen Wohnungen in kommunale Verwaltung.
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Berlin-FriedrichshainDie monatelangen Auseinandersetzungen um mehrere Wohnblöcke an der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain haben für die meisten Mieter nun ein glückliches Ende gefunden. Mit Wirkung vom 1. November hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag die Verwaltung über insgesamt 679 Wohnungen und 59 Gewerbeeinheiten in der Karl-Marx-Allee 71-103b übernommen. Das teilte die Gewobag am Freitag mit. Die sogenannten Blöcke C-Süd, C-Nord und D-Nord kommen damit nach 25 Jahren wieder in die Hände eines landeseigenen Unternehmens. Für rund 50 Wohnungen haben die Mieter im Verlauf des Verkaufsprozesses von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Die Erwerber sind nun Miteigentümer in den Wohnungseigentümergemeinschaften. Noch bis Anfang Januar 2020 haben die Mieter nach Angaben der Senatsverwaltung für Finanzen die Möglichkeit, ihre Wohnung selbst zu kaufen. „Berlin wächst weiter – und wir wachsen mit“, sagte Gewobag-Vorstandsmitglied Markus Terboven. „Mit diesem Ankauf sichern wir bezahlbaren Wohnraum in der Mitte Berlins und erweitern unser Portfolio um ein weiteres architektonisches Highlight der Nachkriegszeit.“

Der bisherige Besitzer, die Predac, hatte die Wohnungen ursprünglich an die Deutsche Wohnen verkaufen wollen. Doch dagegen regte sich Protest. Die Mieter befürchteten, dass sie durch steigende Mieten aus ihren Wohnungen verdrängt werden könnten. Der Senat reagierte auf den Protest und entwickelte unter anderem das Modell des gestreckten Erwerbs, bei dem die Mieter zunächst ihr Vorkaufsrecht nutzen und die Wohnung dann an die landeseigene Gewobag übertragen sollten. Diese Modell wurde mit dem direkten Erwerb durch die Gewobag aber hinfällig. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte den Ankauf für das Land Berlin in Gesprächen mit der Deutsche Wohnen möglich gemacht. Für einen Block mit 80 Wohnungen, der im Milieuschutzgebiet liegt, hatte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zuvor sein Vorkaufsrecht zugunsten der WBM ausgeübt.

Offen ist jetzt noch, was aus einem fünften Block mit rund 150 Wohnungen wird, der ebenfalls an die Deutsche Wohnen verkauft werden sollte. „Eine Lösung wird derzeit erarbeitet“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen, Eva Henkel, auf Anfrage. „Die Senatsverwaltung für Finanzen hält den Ankauf der Wohnungen der Gewobag für wirtschaftlich und unterstützt diesen auch finanziell“, sagte Henkel. Im Gegenzug habe sich die Gewobag verpflichtet, in den nächsten 20 Jahren die freiwerdenden Wohnungen an Haushalte zu vermieten, die Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben - und zwar zu Anfangsmietpreisen von 6,50 Euro beziehungsweise 8 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. „Somit kann für die Wohnungen langfristig eine sozialverträgliche Vermietung gewährleistet werden“, sagte Henkel.