Berlin - Nach wie vor sinken in Deutschland die Inzidenzen – doch das kann bald wieder vorbei sein. In Portugal, Russland und Großbritannien grassiert die aggressive Delta-Variante und damit gelten diese Länder erst einmal bis 11. Juli ­als gefährliche Virusvariantengebiete. Längst sind viele Urlauber vor allem aus Portugal abgereist. Denn wer sich seit dem 25. Juni dort aufhält und danach zurückkommt, muss zwei Wochen lang – ohne Ausnahme – in Quarantäne. In dieser Zeit gibt es keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Und auch in Deutschland warnen Experten bereits vor der vierten Welle und beklagen gleichzeitig eine gewisse Impfmüdigkeit der Menschen. Der Direktor des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, appellierte daher an alle Bürgerinnen und Bürger, sich piksen zu lassen. Und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) konstatierte am Dienstag: „Wir kommen in den Bereich rein, in dem die Impfbereitschaft abnimmt.“

In Berlin wird das ebenso registriert, bestätigte Oliver Fey, Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung, auf Nachfrage der Berliner Zeitung: „In den Berliner Impfzentren wurden in den letzten Wochen circa 19 bis 20 Prozent der Termine abgesagt oder verschoben und circa 2 Prozent der Impfgäste sind nicht erschienen.“

Dramatisieren wolle man das aber nicht. Es sei anzunehmen, dass die Verschiebungen und Absagen darin begründet sind, dass ein jeweils früherer Termin in den Impfzentren, bei Betriebsärzten oder in Arztpraxen gefunden und wahrgenommen wurde. Fey weiter: „Dies kann unter anderem daran liegen, dass die Juni-Termine in den Berliner Impfzentren zum Teil schon im März 2021 gebucht wurden.“ Die Impfzentren seien allerdings weitestgehend ausgelastet, eine „Impfmüdigkeit“ sieht er deshalb nicht.

Im Juli werben Prominente und Influencer fürs Impfen

Das Bundesgesundheitsministerium gab am Mittwoch bekannt, eine weitere Werbekampagne fürs Impfen zu starten – Prominente und Influencer sollen in Video-Spots Impf-Unwillige motivieren. Ein Sprecher des Ministeriums sagte: „Diese startet neben der bereits laufenden Impfkampagne im Juli.“ Um diesen Personenkreis werde man sehr werben müssen, bekräftigte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Brisant mit Blick auf die aktuelle Debatte um die Ausbreitung der Delta-Variante ist ebenso, dass die Bundesregierung die Reisewarnung für alle Corona-Risikogebiete ab 1. Juli aufheben wird – damit entfällt bei der Rückreise eine zehntägige Quarantäne, ebenso der Impf- und negative Testnachweis. Mehr als 80 Länder weltweit sind betroffen. In der Europäischen Union sind nur noch einzelne Regionen in Spanien, Irland, Kroatien und Schweden auf der Risikoliste. Trotzdem werde weiterhin von nicht notwendigen, touristischen Reisen abgeraten, heißt es vom Auswärtigen Amt.

Ab Donnerstag gilt der digitale EU-Impfpass

Hoffnung macht dagegen vielen, dass ab Donnerstag der Startschuss für den digitalen Impfpass fällt. Inzwischen sind alle 27 EU-Länder an die dafür notwendige Technik angeschlossen, außerdem Norwegen, die Schweiz, Liechtenstein und Island.

Damit kann ein in Deutschland ausgestellter Nachweis über eine Impfung, einen frischen Test oder eine überstandene Corona-Infektion über einen QR-Code auf dem Smartphone in den Ländern ausgelesen werden. Das „Covid-Zertifikat“ wird entweder in der „Corona-Warn-App“ oder der App „CovPass“ hinterlegt: Gleich nach der vollständigen Impfung beim Arzt oder im Impfzentrum oder nachträglich in Apotheken gegen Vorlage des Impfpasses. Das ist bereits knapp 38 Millionen Mal passiert. Als vollständig geimpft gilt man 14 Tage später nach der zweiten Injektion.

Airlines und Flughäfen warnen allerdings vor Verzögerungen bei der Passagierabfertigung. Es gebe „große Betriebsrisiken aufgrund der uneinheitlichen Vorgehensweise der Mitgliedstaaten“, erklärten die Verbände europäischer Fluggesellschaften und Airport-Betreiber. Dies und doppelte Dokumentenkontrollen könnten zu 500 Prozent höheren Check-in-Zeiten für die Passagiere führen.

In der Tat legt jedes Land für sich fest, an welchen Stellen die Zertifikate Urlaube, Shoppingausflüge oder Wochenendtrips erleichtern. In Griechenland brauchen Urlauber ab zwölf Jahren einen Nachweis über einen frischen Test, eine vollständige Impfung oder eine vor weniger als neun Monaten überstandene Infektion. In Italien können die Menschen das Zertifikat verwenden, um zu öffentlichen Veranstaltungen zu gehen.