Selenskyj zu HU-Studenten: „Tragt nicht das Gewicht der Vergangenheit auf euren Schultern“

Der ukrainische Präsident nahm digital an einer Veranstaltung der HU Berlin und der Viadrina Frankfurt teil. Seine Forderung: Panzer und Frieden für alle.

Selenskyj spricht über eine Videoverbindung mit Studierenden in einem Hörsaal der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).
Selenskyj spricht über eine Videoverbindung mit Studierenden in einem Hörsaal der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).dpa

Die 280 Sitzplätze des Fritz-Reuter-Saals in der Humboldt-Universität sind alle besetzt, in den Gängen haben sich Studenten und Pressevertreter versammelt. Sie sind gekommen, um dem online zugeschalteten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Fragen zu stellen. Auch Studierende der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) nehmen parallel an der Veranstaltung teil. Das digitale Zusammentreffen kam über einen Kontakt der Viadrina zustande, die seit Jahren enge Beziehungen zu ukrainischen Universitäten unterhält.

Zu Beginn der Veranstaltung werden die Anwesenden von den beiden Präsidentinnen der Universitäten, Frau von Blumenthal und Prof. Dr. Eva Kocher, begrüßt. Danach folgt eine kurze Ansprache des ukrainischen Präsidenten. Er beschreibt seinen Alltag. Das Leid und die Zerstörung hätten kein Ende und dennoch dürfe die Ukraine sich nicht geschlagen geben. „Wir möchten in Frieden leben und das kann nur gelingen, wenn wir diesen Krieg gewinnen.“

Panzer sollen schnellstmöglich geliefert werden

Dank richtet Selenskyj an Olaf Scholz und die Bundesregierung für die enge Zusammenarbeit, und er verweist darauf, dass er die ukrainischen Städte mithilfe der deutschen Marder- und Leopard-Panzer noch besser schützen könnte. Anschließend spricht Selenskyj die Anwesenden direkt an: „Habt keine Angst, alles zu verändern. Tragt nicht das Gewicht der Vergangenheit auf euren Schultern. Es lebe die Ukraine.“

Nach der Rede dürfen Studierende beider Universitäten abwechselnd Fragen stellen. Die erste bezieht sich auf den Umgang der ukrainischen Regierung mit sexualisierter Gewalt und Folter. Selenskyj erklärt: „Hunderte Verbrechen und Vergewaltigungen sind festgestellt. Auch Kinder wurden gefoltert.“ Eine vollständige Aufarbeitung der Taten könne jedoch erst nach dem Krieg erfolgen.

Nach kurzer Zeit folgt eine Unterbrechung – der Präsident muss ein Gespräch mit den Streitkräften an der ukrainischen Front entgegennehmen. In der Zwischenzeit übernimmt der ukrainische Botschafter Oleksij Makejew. Er wird gefragt, ob es nicht eine Zukunft ohne Waffenlieferungen geben könne, und verneint das.

„Wir werden der sicherste Staat sein“

Nach einigen Minuten ist Selenskyj zurück. Er spricht über die Zeit nach dem Krieg und ist sich sicher, dass die Mehrheit der geflüchteten Ukrainer in ihre Heimat zurückkehren wird.

Zum Schluss erklärt Selenskyj, dass „die Ukraine das freieste Land der Welt“ sein werde, sobald dieser Krieg ein Ende habe. Im Anschluss bietet Frau von Blumenthal den Studierenden eine Diskussion an. Doch nachdem der ukrainische Präsident vom Bildschirm verschwunden ist, strömen die Studierenden aus dem Saal.