Berlin - In Berlin könnte noch Ende dieser Woche der Impfstoff von Astrazeneca wieder eingesetzt werden. „Wir sind ab Freitag impfbereit“, sagte Moritz Quiske, Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung, am Mittwochvormittag der Berliner Zeitung. Er trat damit Medienberichten entgegen, die von einem möglichen Neustart ab Montag berichtet hatten.

Voraussetzung dafür, dass der britisch-schwedische Impfstoff in Berlin wieder eingesetzt werden kann, ist eine positive Stellungnahme der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. Diese will am Donnerstag über die weitere Verwendung von Astrazeneca entscheiden. Es gilt als sicher, dass sich das Bundesgesundheitsministerium der EMA-Empfehlung anschließen wird. Der Impfgipfel von Bund und Ländern am Freitag wird wohl nicht abgewartet für die Wiederaufnahme des Betriebs.

Sollten die EMA und der Bund das Impfen wieder freigeben, so Sprecher Quiske, werde die Senatsverwaltung am Donnerstag per Pressemitteilung, Social Media und die Telefon-Hotline informieren, ob sich die bisherigen Impfcodes noch nutzen lassen. Von Dienstag bis Donnerstag waren rund 6000 Erstimpf-Termine in Tegel und Tempelhof ausgefallen. Ebenfalls werde am Donnerstag mitgeteilt, ob und wie die Zweitimpfungstermine mit Astrazeneca, die ab Mitte April fällig wären, erhalten bleiben können. 

Wie aus gesundheitspolitischen Kreisen zu hören ist, sei es gut möglich, dass die EMA Astrazeneca zwar freigebe, aber nur unter Auflagen. Etwa, dass Impfeinladungen und medizinische Belehrungsbögen künftig noch zusätzlich über mögliche Impfrisiken informieren müssen. In diesem Fall könnte es Verzögerungen bei neuen Impfterminen geben, wenn Tausende Beipackzettel neu formuliert und gedruckt werden müssten.

Das Impfen mit Astrazeneca war Anfang der Woche in zahlreichen europäischen Ländern gestoppt worden, nachdem eine Häufung von Fällen von Hirnvenenthrombose beobachtet wurde. Nun wird ein Zusammenhang mit der Gabe des Vakzins untersucht.   

„Das Personal weiß Bescheid und stünde am Freitag bereit“, sagt auch Regina Kneiding, Sprecherin der Impfzentren Berlin. In den ehemaligen Flughafen Tegel und Tempelhof wurde am Montag das Impfen mit Astrazeneca ausgesetzt. Die Entscheidung, ob wieder geimpft werde, treffe die Senatsverwaltung, sagt Kneiding. „Unser Personal steht in der Kette dahinter und ist derzeit auf Stand-By.“ Es müsse nichts auf- oder umgebaut werden, man könnte gleich loslegen. „Je früher, desto besser.“

Eine Uhrzeit kann Kneiding noch nicht nennen. Einzelpersonen müssten sich gegebenenfalls an die Impfhotline wenden. Ob noch so viele Menschen geimpft werden wollen wie zuvor, lässt sich schwer sagen. „Viele würden die Impfung sofort nehmen, andere sind skeptisch.“

Knapp 60.000 Menschen in Berlin, ein Fünftel der bisher Geimpften, haben Astrazeneca erhalten. Alle warten  noch auf ihren zweiten Nadelstich. Neben medizinischem Personal wurden zuletzt auch geistig beeinträchtige Menschen mit dem Mittel geimpft. Das Pharma-Unternehmen hat nach eigenen Angaben bis Montag 153.600 Dosen an das Land Berlin geliefert, in den kommenden drei Wochen sollten noch einmal gut 90.000 Dosen hinzukommen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin wird im Auftrag der Senatsverwaltung im März über 400.000 weitere Einladung an chronisch Kranke zwischen 16 und 69 Jahren versenden. 

Irritationen gab es am Mittwoch um den Mediziner Peter Velling. Der RBB zitierte ihn als ärztlichen Leiter der Berliner Impfzentren mit der Aussage, man könnte erst ab Montag wieder Astrazeneca in Berlin verimpfen.