Jannowitzbrücke: Klimaaktivisten von Extinction Rebellion sitzen für besseres Klima und weniger Verkehr.
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BerlinDie Sympathie für die schwindet zunehmend bei genervten Autofahrern. Nach Informationen der Polizei kam es am Mittwochabend an der Oberbaumbrücke vereinzelt zu Bedrohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen zwischen Autofahrern und Klimaschützern.

Er sei für eine Strecke von fünf Kilometern schon mehr als eine Stunde unterwegs, beschwerte sich ein Autofahrer aus Potsdam. „Geht arbeiten und nutzt somit der Gesellschaft!“, forderte er die Protestler durch das geöffnete Fenster der Fahrertür auf. Die wiederum warfen dem Mann vor, bis nach Potsdam nicht den Regionalverkehr zu nutzen. Der sei viel schneller und vor allem besser fürs Klima, brüllte eine Frau zurück.

Der Polizei gelang es, beide Gruppen auseinander zu halten und Handgreiflichkeiten zu vermeiden. Eine Frau, die in einem Taxi saß, bereute es, nicht früher losgefahren zu sein. Sie befürchtete ihren Flug nach München zu verpassen.

Die Klimaschützer hatten die Fahrspur in Richtung Kreuzberg besetzt. In Richtung Friedrichshain verlief der Autoverkehr sehr schleppend. Mittlerweile liegen bei einigen die Nerven blank, hieß es.

250 Klimaaktivisten auf der Jannowitzbrücke

Am späten Abend waren die Verkehrsbeeinträchtigungen wieder aufgehoben und die Klimaschützer räumten widerstandslos die Fahrspur. Die Teilnehmer waren von den Veranstaltern der Blockaden gebeten worden, die Aktivisten an der Jannowitzbrücke zu unterstützen. Dieser Bitte folgten sie.

Zu dieser Zeit ging dort nichts mehr. Selbst Fußgänger hatten es schwer, an den sitzenden Menschen vorbeizukommen. Auch dort kam es zu Unmutsäußerungen zwischen Demonstranten und Fußgängern. Am Donnerstagmorgen kündigte die Polizei über Lautsprecher an, die Blockade aufzulösen. Als Grund nannte sie, die Deklarierung der Veranstaltung zur Versammlung.

Das führt dazu, dass in solch einem Fall von den Sicherheitsbehörden Auflagen erteilt werden. Das betrifft zum Beispiel den Versammlungsort. Der sei den Teilnehmern mitgeteilt worden. Er habe sich in der Nähe befunden an einem Ort, an dem der Fahrzeugverkehr nicht behindert wird. Dieser Aufforderung seien die Demonstranten nicht nachgekommen.

Deshalb wurde die Brücke geräumt, so die Polizei. Extinction Rebellion hatte zuvor angekündigt, weiter an der Jannowitzbrücke und an der Marschallbrücke in Mitte zu bleiben. Nach Polizeiangaben waren an der Jannowitzbrücke am Donnerstagmorgen etwa 250 Menschen, an der Marschallbrücke 200.

Extinction Rebellion will auf eine drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen

Diese Brücke sei noch nicht geräumt worden, weil dort der Autoverkehr nicht so stark behindert wird. Extinction Rebellion hat auch für Freitag Aktionen in der Hauptstadt angekündigt. Gerüchte, nach denen die Aktionen auf die Zufahrt des Flughafens Tegel oder auf Zufahrten zur Stadtautobahn ausgeweitet werden sollen, wurden nicht bestätigt. Am Nachmittag war die Rede von Blockaden in Weißensee und Prenzlauer Berg.

Man sei auf alles vorbereitet, sagten Polizisten am Donnerstag. Mehr als 1000 Beamte sind mittlerweile zur Sicherung der Aktionen eingesetzt. Die Berliner Polizisten werden unterstützt von Kollegen aus Niedersachsen, Sachsen und der Bundespolizei. Es werde Zeit, dass die Woche vorbeigeht, sagte ein Zugführer am Donnerstag.

Das Wegtragen von Blockierern in voller Montur gehe ganz schön auf die Knochen, so der Mann. Die Umweltschutzbewegung will in Berlin und anderen Großstädten in aller Welt auf eine drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. Die Polizei empfahl auch am Donnerstag, das Auto wegen der Staus stehen zu lassen.