Berlin - Dem Bundesvorstand der CDU gehören aktuell 26 Personen an – es sind eher die aus der zweiten und dritten Reihe. Dennoch ist das Vorhaben der Berliner Christdemokraten, Joe Chialo in das Gremium zu senden, ein Zeichen dafür, wie offen Politik manchmal sein kann.

Joe Chialo ist ein klassischer Quereinsteiger – in die Politik im Allgemeinen und in die CDU im Besonderen. Der 51-jährige Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie aus Bonn ist Musikmanager. Er hat Labels gegründet: eines, das afrikanische Musik und Musiker fördert und eines, das die Kelly Family unter Vertrag hat. 

Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Mut zum Unternehmertum, Kultur als Ausdruck und Keimzelle von Identität und Gemeinschaft – das sind Themen, die Chialo umtreiben. Irgendwann, so erzählt er im Gespräch, habe er sich dazu entschlossen, nicht mehr nur von außen zuzuschauen. Also trat er in eine Partei ein: Es waren die Grünen.

Das ist drei Jahrzehnte her, und er trat bald wieder aus. Vor fünf Jahren entschied sich Chialo für die CDU. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er längst in Berlin, Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war Mitte. Also wurde er im Kreisverband Mitte aufgenommen.

Dort fiel er nicht weiter auf, ehe er sich unvermutet um das Bundestagsdirektmandat für den Wahlkreis bewarb. Das passte nun gar nicht zu den Plänen des Berliner Parteichefs Kai Wegner. Dieser hatte Mitte an die Konservative Ottilie Klein vergeben.

Da Wegner aber eine Chance für die oft etwas provinziell wirkende Partei erkannte, holte er ihn zu sich nach Spandau. Joe Chialo wurde Direktkandidat für Spandau – und verlor. Genau wie Armin Laschet, in dessen Zukunftsteam er als Sprecher für Kunst und Kultur berufen wurde. 

Laschet und sein Zukunftsteam sind Geschichte. Sollte nun auch Chialos politische Karriere beendet sein, ehe sie recht begonnen hatte? Mit der Entscheidung, ihn für den Bundesvorstand zu nominieren, gibt die Berliner CDU die klare Antwort: Nein! Und der Quereinsteiger aus der Musikwirtschaft ist nun neben dem designierten Generalsekretär Mario Czaja die zweite Berliner Stimme in der Bundespartei.