Nicht nur Rohkaffee sondern auch 33 Kilo Kokain sind an eine Kaffee-Rösterei in Berlin-Reinickendorf geliefert worden. Gegen 10 Uhr wollten Mitarbeiter der Rösterei an der Reinickendorfer Montanstraße am Mittwoch einen Container mit Rohkaffee entleeren. Die 20 Tonnen Bohnen in dem Container waren als Schüttgut geliefert worden. Während des Entleerens brach plötzlich der Strom der Kaffee-Bohnen ab. Ein Mitarbeiter schaute nach und entdeckte die Ursache der Verstopfung des Auslaufs: Es steckte eine Sporttasche drin.

In ihr lagen in schwarzer Folie eingeschlagene Päckchen. Die Rösterei alarmierte die Polizei, die die Tasche beschlagnahmte. Ein Schnelltest im Labor ergab: Das Kokain hat eine Reinheit von 60 Prozent. Wenn es mit anderen Substanzen gestreckt würde, hätte es einen Straßenverkaufswert von rund 1,5 Millionen Euro. Doch es wird nun vernichtet. Mit 33 Kilogramm ist dies der zweitgrößte Drogenfund in diesem Jahr in der Hauptstadt.

Laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf stammt die Containerlieferung aus Brasilien. Vom Schiff wurde sie am 8. Dezember in Bremerhaven entladen und kam per Bahn im Berliner Westhafen an. Ein Teil der zwölf für Reinickendorf bestimmten Rohkaffee-Container wurde dann am Dienstag per Lkw zur Rösterei gefahren. Der Container mit den Drogen kam am Mittwoch dort an.

In der Reisetasche mit den Drogen fanden die Ermittler außerdem eine neue – wahrscheinlich nachgemachte – Plombe des deutschen Zolls. Damit wollten die Schmuggler den Container nach der Entnahme der Drogen wieder verschließen.
Die Polizisten versuchen unter anderem herauszubekommen, warum die Rauschgiftlieferung bis zur Auslieferung an die Kaffeerösterei nicht entnommen wurde. Wahrscheinlich sollte dies auf dem Containerlagerplatz in Bremerhaven geschehen. Diese Erfahrung haben Rauschgiftfahnder in anderen vergleichbaren Fällen gemacht. Der Drogenkurier war aus irgendeinem Grund verhindert.

Es hätte anders kommen können

Die Mitarbeiter der Kaffeerösterei verhielten sich aus Sicht der Polizei vorbildlich. Es gab auch schon andere Fälle: 2013 fanden drei Mitarbeiter eines Bonner Supermarktes 17 Kilogramm Kokain in Bananenkisten aus Südamerika. Sie wollten das Rauschgift selbst verkaufen. Dabei gerieten sie an einen verdeckten Ermittler der Polizei.
Wegen seines starken Geruchs, der Spürhunde irritiert, wird Rohkaffee von Schmugglern gern als Drogenversteck benutzt. Allerdings sei dies der erste Fall, dass in dieser Firma im Rohkaffee Drogen entdeckt wurden, hieß es in der Rösterei.

Weil Absender und Empfänger auf dem Frachtbrief korrekt vermerkt sind, handelt es sich laut Polizei nicht um eine fehlgeleitete Rauschgiftlieferung, wie Anfang dieses Jahres: Am 6. Januar waren insgesamt insgesamt 140 Kilogramm Kokain in Berlin und Brandenburg entdeckt worden. Es stellte sich heraus, dass die Lieferung eigentlich für Großbritannien bestimmt war. Doch das mit Bananen beladene Schiff aus Brasilien kam wegen schlechten Wetters sechs Tage zu spät in Rotterdam an. Deshalb wollten die Abnehmer dort die für England bestimmten Bananen nicht mehr haben. Zum Leidwesen der in England wartenden Kokain-Schmuggler fuhr das Schiff nach Hamburg. Dort kaufte ein Importeur die Bananen und lieferte sie nach Berlin.

Trotz des jüngsten Fahndungserfolgs: Die gefundenen Kokainmengen sind gering im Vergleich zu jenen, die sonst geschmuggelt werden. Aus Strafverfahren wissen Zoll und Polizei, dass es in Berlin rund 30.000 regelmäßige Kokain-Konsumenten gibt. Ihre Dunkelziffer wird auf das Doppelte geschätzt. Bei einem Verbrauch von einem Gramm Koks pro Tag würde dies bedeuten, dass täglich 60 Kilogramm Kokain in der Stadt konsumiert werden.

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