Ein Polizist am 9. September vor der Berliner Synagoge.
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Berlin/HalleNach den tödlichen Schüssen in Halle hat die Polizei in Berlin und Brandenburg ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen verstärkt. Wie die Berliner Polizei via Twitter mitteilte, sei man wegen der Einsatzlage in Halle sensibilisiert. Insbesondere vor jüdischen Einrichtungen habe man Schutzmaßnahmen überprüft und angepasst.

Auch in Brandenburg seien Polizeikräfte im Einsatz, sagte Mario Heinemann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg, am Mittwoch auf Anfrage. Polizisten und Bereitschaftspolizisten würden dafür Sorge tragen, dass die Menschen friedlich und angemessen Jom Kippur, den höchsten Festtag im Judentum, begehen könnten.

Reaktionen aus der Berliner Politik

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat nach den tödlichen Schüssen in Halle sein Mitgefühl ausgesprochen. „Unsere Gedanken sind so kurz nach dem schrecklichen Geschehen zuallererst bei den beiden ums Leben gekommenen Menschen und ihren Angehörigen“, sagte Müller am Mittwoch. Angesichts des hohen jüdischen Feiertages und des Tatorts lägen nun „schlimmste Befürchtungen nahe“.

Zunächst gelte es jedoch, eine Beruhigung der Lage und die Ergebnisse der Ermittlungen der Sicherheitsbehörden auf Bundesebene abzuwarten. „Unsere Berliner Behörden treffen die in unserer Stadt notwendigen Maßnahmen“, betonte Müller.

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli ruft dazu auf, ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. „Ich möchte nicht, dass Juden in unserem Land Angst haben müssen. Lasst uns gemeinsam einen Schutzschirm gegen #Antisemitismus bilden“, twitterte die SPD-Politikerin am Mittwoch nach den tödlichen Schüssen nahe der Synagoge in Halle/Saale. „Ich stelle mich daher heute ab 20 Uhr vor die Synagoge in der Oranienburger Straße. Kommt vorbei und zeigt Haltung!“, kündigte Chebli unter dem Hashtag #WirstehenZusammen an.

Cem Özdemir: „Schreckliche Nachrichten aus Halle“

Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat die tödlichen Schüsse in Halle/Saale auf das Schärfste verurteilt. „Ein Angriff wie dieser ist immer auch ein Angriff auf unsere freie Gesellschaft“, teilte der SPD-Politiker am Mittwochnachmittag mit. Er sei bestürzt und spreche den Angehörigen der Opfer tiefes Mitgefühl und Beileid aus. „Wir sind verpflichtet, für die größtmögliche Sicherheit zu sorgen“, sagte Geisel.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat sich bestürzt geäußert. „Schreckliche Nachrichten aus Halle, heute am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Ich bin erschüttert & traurig“, twitterte der frühere Grünen-Chef am Mittwoch. Allen Verletzten und Angehörigen wünschte er viel Kraft und dankte den Einsatzkräften.

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach am Mittwoch von „schrecklichen Nachrichten“. Dass es zwei Tote gebe, sei „entsetzlich“. Er hoffe sehr, „dass die Polizei den Täter oder die Täter möglichst schnell fassen kann und kein weiterer Mensch in Gefahr kommt“. Es sei nun ganz wichtig, dass die Bevölkerung den Anweisungen der Polizei Folge leiste. Seibert betonte, dass er noch keine Informationen zu den möglichen Hintergründen hat.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums äußerte sich ähnlich: Zur Motivlage seien „derzeit keine seriöse Angaben“ möglich. In Halle wurden zuvor zwei Menschen erschossen. Die Polizei sprach zunächst von mehreren mutmaßlichen Tätern, die mit einem Auto flüchteten. Ein Mensch sei festgenommen worden. Die Menschen in Halle und im östlich davon gelegenen Landsberg wurden aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sichere Orte aufzusuchen. (dpa)