11 Klima-Fragen an Berlins ADAC-Chef: Wann schaffen Sie Ihr Auto ab, Herr Krane?

Wie denken Berliner über Klimawandel und Klimaprotest? Heute: Volker Krane vom ADAC über Lastenräder und sparsames Heizen mit Gas.

Uroš Pajović/Berliner Zeitung. Foto: Markus Wächter

Der Sommer war zu heiß, der Herbst zu warm, das Jahr 2023 begann fast mit T-Shirt-Wetter. Nur noch vier von hundert Bäumen in Berlin sind gesund. Das Klima verändert sich. Auch politisch bewegt das Thema die Stadt, 180.000 Menschen haben unterschrieben, dass Berlin schon 2030 klimaneutral werden soll, es wird einen Volksentscheid geben. Fast täglich blockiert die Protestgruppe Letzte Generation die Straßen.

Was sollen wir tun, um dem Klimawandel zu begegnen, wie soll sich Berlin verändern? Wir wollen in der Berliner Zeitung so viele Stimmen wie möglich zu Wort kommen lassen. Alle Fragebögen finden Sie hier. Diesmal hat Volker Krane geantwortet, Vorstandsvorsitzender des ADAC in Berlin.

Der Klimawandel wird unser aller Leben verändern. Wovor haben Sie am meisten Angst?

Wenn Sie mich persönlich fragen: Ich habe Angst davor, dass Armut und Leid zunehmen; dass der Klimawandel und seine Folgen die Schwächsten wieder am härtesten treffen. Daher müssen wir die schon lange verabschiedeten Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele konsequenter verfolgen. Die wurden in den letzten Jahren komplett verfehlt. Was wir brauchen, ist ein Masterplan, der ökonomisch sinnvoll und gesellschaftlich akzeptiert ist.

Was tun Sie persönlich, um Ihre CO-Bilanz zu senken?

Ich fahre weniger Auto und dafür mehr mit der Bahn. Auch wenn es manchmal schwerfällt. Reisen reduziere ich, wo es geht. Da sind virtuelle Besprechungen mittlerweile eine gute Ersatzlösung. Meinen Gasverbrauch zu Hause habe ich um mehr als 20 Prozent gesenkt. Und ich gehe bewusster mit Verpackungen, Essen und Co. um. Auch Kleinigkeiten bewirken was.

Worauf wollen Sie trotz Klimawandel nicht verzichten?

Ich möchte weiterhin mobil sein und selber entscheiden, ob ich mit dem Auto, Fahrrad, Motorrad oder mit der Bahn unterwegs bin. Individuelle Mobilität ist auch eine Form von Freiheit. Eine Freiheit, die Menschen zusammenbringt. Und genau das brauchen wir doch.

Was muss sich in Ihrer Branche am dringendsten ändern?

Wir haben beim ADAC schon eine Menge Hausaufgaben gemacht, haben uns in die Satzung geschrieben, Umweltschutz und Mobilität in Einklang zu bringen. Das zieht sich durch sämtliche Bereiche: vom Nachhaltigkeitsmanagement über Beratungen zu E-Autos bis hin zum kostenlosen Ausleihen von Lastenrädern in unseren Geschäftsstellen. Wenn wir vielen helfen können, mobil und trotzdem klimafreundlich unterwegs zu sein, ist schon einiges gewonnen.

Klimaaktivisten blockieren regelmäßig Straßen in Berlin. Hilft das der Sache oder schadet es mehr?

Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass sich so viele vor allem junge Menschen klimapolitisch engagieren. Die Frage ist nur, ob die Proteste wirklich die richtigen treffen oder nicht vielmehr diejenigen, die dringend auf ihr Auto angewiesen sind. Am Ende braucht es auch für Veränderungen eine Mehrheit. Und ich fürchte, die gefährdet man eher, wenn man einseitig nervt.

Zur Person
Volker Krane (57) ist seit März 2022 Vorstandsvorsitzender des ADAC Berlin-Brandenburg. Zuvor war er 11 Jahre als Vorstand Verkehr für verkehrspolitische Fragen und für Themen rund um die Verkehrssicherheit beim Regionalclub tätig. Hauptberuflich arbeitet Krane als Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht. Er lebt in Neuruppin.

Können Sie sich Berlin ganz ohne Autos vorstellen?

Ich kann mir vieles vorstellen, aber Berlin ohne Autos– das gehört nicht dazu. Es würde auch komplett am Bedarf vorbeigehen. Wir werden auch zukünftig automobilen Verkehr brauchen. Die Frage ist nur, wie wir das möglichst klimafreundlich hinbekommen. Klimaschutz und individuelle Mobilität müssen sich nicht ausschließen. Im Gegenteil, wenn attraktive Alternativen das Auto ersetzbarer machen, ist das ein guter Weg.

Haben Sie vor, Ihr Auto abzuschaffen?

Nein, ich fahre gern Auto. Als Pendler zwischen Berlin und Brandenburg bin ich auch oft darauf angewiesen.

Was erwarten Sie von der Politik – was sollte sie als dringendste Klimaschutzmaßnahme durchsetzen?

Von der Politik erwarten wir, dass Klimaschutz im Verkehr endlich vorurteilsfrei ist und auch gesamthaft begriffen wird. Nur so können Maßnahmen zusammenpassen und letztendlich auch wirken.

Klimaschutzminister Habeck duscht nur noch zwei Minuten. Wie lange stehen Sie noch unter der Dusche?

Ich dusche so lange, wie es nötig ist. Aufgeweichte Finger gibt es bei mir aber nicht.

Was ist Ihr bester, klimaschonender Alltagstipp?

Die Frostschutzfunktion der Heizung auf den Minimalwert einstellen. Meine Gasheizung sprang werkseitig bei zwölf Grad plus an. Ich habe das dann auf vier Grad plus geändert. Ergebnis: Ein signifikant geringerer Verbrauch bei wechselndem Wetter. Sehr zu empfehlen.

Berlin im Jahr 2030: Was muss geschehen, damit wir es in der Stadt auch dann noch aushalten?

Mehr Grün, auch auf Dächern und an Fassaden. Und weniger versiegelte Flächen.