Berlin - Und plötzlich geht es dann doch voran mit den Corona-Tests. Während Supermärkte, allen voran Aldi und Lidl, seit dem Wochenende massenhaft Selbsttests auf den Markt werfen, öffnet das Land Berlin Anfang der Woche in allen zwölf Bezirken kleine professionelle Teststellen, in denen sich Berliner ab Montag kostenlos einmal pro Woche testen lassen können. „Ich freue mich, den Berlinerinnen und Berlinern ein Testangebot machen zu können“, sagte Gesundheits- und Pflegesenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Sonntag.

Die Tests sind für die Bevölkerung kostenlos. Wer sich testen lässt, bekommt eine Bescheinigung. Die zwölf neuen kleinen Teststellen des Landes Berlin sind im Internet unter dem Stichwort „Senatsteststelle Berlin“ zu finden. Auf dieser Website können online Termine gebucht werden. Gegen 20 Uhr soll die Seite zur Terminbuchung freigeschaltet werden. Darüber hinaus testen die vier großen Testzentren der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung wochentags zwischen 9 und 18 Uhr ohne vorherige Terminbuchung. Man kann sich gleichwohl trotzdem online registrieren lassen, um Wartezeiten zu vermeiden.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sieht die neuen Teststellen als Ergänzung: „Wir erweitern damit unsere Teststrategie, in die wir bereits die Krankenhäuser, Pflegeinrichtungen und Bildungseinrichtungen einbezogen haben, um ein Testen für alle. Grundsätzlich gilt, wer einen positiven Schnelltest hat, muss sich sofort absondern und sich zwingend mit einem PCR-Test nachtesten lassen“, sagt Kalayci. Die Berliner Testzentren informieren darüber, wo die Nachtestung mit einem PCR-Test möglich ist. Auch das gegebenenfalls notwendige Nachtesten mit einem PCR-Test ist kostenlos.

Die Berliner Testzentren werden von der Firma 21Dx GmbH betrieben, nach eigenen Angaben „einer der größten Betreiber von Corona-Teststationen in Deutschland und Betreiber eines Impfzentrums und mobiler Impfteams im Kampf gegen die Pandemie“. Unter anderem arbeitet die Firma mit dem Laborpartner Centogene* zusammen.

Wahlkampfgetöse im Bund

Fast wäre die gute Nachricht aus Berlin im bereits angelaufenen Wahlkampfgetöse untergangen. Unter diesem Aspekt ist wohl ein Streit zwischen Bund und einzelnen Länderchefs um die Tests zu betrachten, der in den vergangenen Tagen die öffentliche Debatte bestimmt hat. So hatte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) den Bund etwa für fehlende Corona-Selbsttests verantwortlich gemacht und scharf kritisiert. „Ich will an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich sehr verärgert bin darüber, dass der Bund es zulässt, dass zunächst Aldi und Co. Selbsttests verramschen können und wir die Selbsttests erst Mitte März geliefert bekommen“, sagte Schwesig am Sonnabend in Schwerin.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte den Bund daraufhin in Schutz genommen: Schnelltests seien im Übermaß produziert und lieferbar und die neuen Selbsttests erst seit wenigen Tagen zugelassen. Der Vorwurf an den Bund sei billig. Daraufhin meldete sich dann die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD) zu Wort, verwies darauf, dass Gesundheitsminister Spahn kostenlose Schnelltests für alle versprochen habe. Der Minister habe sehr hohe Erwartungen geweckt, die er nicht einhalten konnte. Ihr Land habe nun selbst Tests beschafft, sagte Dreyer. Dann schritt Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) ein und erklärte, dass der Bund die Tests zwar bezahle. Es sei aber nie verabredet gewesen, dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt. „Das ist die Aufgabe der Länder selbst", so Braun.

Schnelltests und als Ergänzung Laien-Selbsttests

In Berlin war die Haltung gegenüber den Schnelltests anfangs sehr ablehnend. Das Land wollte, zumindest für Kitas und Schulen, lieber auf die einfach zu handhabenden Laien-Selbsttests setzen und hatte bereits vor der Zulassung vorausschauend große Mengen bestellt. Seitdem hat sich hinter den Kulissen aber dann doch einiges bewegt. Jetzt hat Berlin, was das Testen angeht, erstmal im Vergleich der Länder die Nase vorn.

So reibungslos wie in Berlin scheint es im Bundesgebiet mit den Schnelltests nämlich auch weiterhin nicht abzulaufen. Ulrich Weigeldt, der Bundesvorsitzende des deutschen Hausärzteverbands  warf der Politik in einem Interview der Bild am Sonntag eine völlig ungenügende Planung vor. „Wir wissen nicht einmal ansatzweise, wann diese Schnelltests in welchem Umfang von wem geordert und zu wem geliefert werden sollen“, sagte er. „Das geht so nicht.“

*Transparenzhinweis: Der Eigentümer des Berliner Verlags, Holger Friedrich, ist Mitglied des Aufsichtsrats der Rostocker Firma Centogene.