Beruf und Familie: Home Office oder Eltern-Kind-Büro

Die Forderungen nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden immer deutlicher. Laut Familienreport 2012 spielt dieses Thema für 91 Prozent aller jungen Beschäftigten mit Kindern bei der Wahl der Stelle eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie das Gehalt. Nun scheint sich die Kultur in deutschen Unternehmen tatsächlich zu wandeln.

Im Vergleich zu 2007 bemühen sich mehr und mehr Betriebe, Angebote für Familien zumachen – und profitieren davon. Das hat das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) in einer erneuten Unternehmensbefragung festgestellt. „Vor allem der Austausch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat sich verbessert“, erläutert Regina Ahrens vom FFP. „Es findet ein Dialog über das Thema statt. Und auch die Angebote der Unternehmen sind besser und vielseitiger geworden.“

Büro mit Spielecke

Eltern-Kind-Büros bieten Spielecken, Ferienprogramme bespaßen den Nachwuchs und der Familienservice organisiert Tagesmütter. Für solche Ideen wurden Betriebe wie die Robert-Bosch GmbH, Brose Fahrzeugteileaus Coburg und eine Steuerberatungssozietät aus Nordrhein-Westfalen mit dem Preis „Erfolgsfaktor Familie 2012“ vom Bundesfamilienministerium ausgezeichnet. Auch Home-Office-Möglichkeiten und flexible Arbeitszeiten sind Teil des Angebots, denn zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört auch die Pflege von Angehörigen.

Noch 2007 galt Familienfreundlichkeit bei den in der Studie befragten Personalverantwortlichen als Modethema. Doch auch diese Einschätzung hat sich geändert, weil familienbewusste Unternehmen profitieren. So erhöhen betriebliche Angebote die Motivation, führen zu weniger Fehlzeiten, weniger Eigenkündigungen und einer höheren Qualität der Bewerber, ergab die Studie. Qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte können durch flexible Angebote gehalten werden, während der Elternzeit wird Kontakt gehalten, Wiedereinstiegsseminare erleichtern die Rückkehr.

Noch viel Spielraum

Doch trotz der positiven Tendenz sieht Ute Nennecke vom Berliner Bündnis für Familien noch viel Spielraum: „Wir brauchen noch sehr viel mehr flexible Betreuung, nicht nur für Frauen. Auch viele Männer wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Es gibt noch viel zu tun,.“ Auch Regina Ahrens hat in der Studie Schwachpunkte festgestellt: „Wir sehen, dass vor allem der Mittelstand noch Nachholbedarf hat.“ Diese Betriebe seien zu groß, um etwa Vertrauensarbeitszeiten einzuführen. Gleichzeitig seien sie zu klein, um eine eigene Betriebs-Kita zu gründen. „Das ist aber gar nicht nötig, man kann Leitfäden zusammenstellen, Vermittlungsangebote machen oder sich mit anderen zusammenschließen. Viele wissen nicht, dass Unterstützung nicht viel kosten muss. Es muss nur das Bewusstsein für das Thema geschärft werden.“