Berlin - „Dankeschön, Frank-Walter“, sagt der britische Außenminister Boris Johnson, nachdem dieser über die Wichtigkeit der deutsch-britischen Beziehungen gesprochen hat. Er spricht diese Worte auf Deutsch – mit heftigem britischem Akzent natürlich.

„Ich bin nicht ein Berliner“

Und er fügt – in Abwandlung des berühmten Zitats von John F. Kennedy – an: „Ich bin nicht ein Berliner.“ Aber seine Frau sei eine Berlinerin, da sie in der Stadt geboren sei. Erst danach wechselt Johnson in die eigene englische Sprache.

Es ist der Antrittsbesuch Johnsons bei Steinmeier im Auswärtigen Amt in Berlin. Obwohl der konservative Politiker seit Mitte Juli im Kabinett von Premierministerin Theresa May sitzt, stand dieser noch aus.

Normalerweise findet ein solcher Besuch sehr viel schneller statt. Andererseits sind sich die beiden, wie Steinmeier betont, auf internationaler Bühne schon mehrfach begegnet. Und was ist schon noch normal in Zeiten nach dem Votum der Briten für den Brexit, den Ausstieg des eigenen Landes aus der europäischen Union?

Für Boris Johnson jedenfalls nichts mehr. Denn der Mann, der als Bürgermeister von London die Menschen mit einer gewissen Großmäuligkeit für sich vereinnahmte, muss nun als Außenminister seine Worte wägen. Johnson, dessen Einsatz für den Brexit mit den Ausschlag für den Erfolg des Referendums gegeben haben dürfte, muss nun bei den verbleibenden EU-Mitgliedern dafür werben, dass Großbritannien auch weiter so gut wie möglich vom Handel mit der EU profitieren kann.

Johnson muss jetzt auf seine Wortwahl achten

Johnson hat Hillary Clinton mal eine „sadistische Krankenschwester“ genannt. Diplomatie war bislang nicht gerade sein zweiter Vorname. In Berlin zeigt er nun, wie freundlich er sein kann, wenn er will. Er ist sich nicht einmal zu schade, den Brexit bei Steinmeier in blumigen Worten als Chance anzupreisen, die gegenseitigen Beziehungen weiter zu vertiefen. Und er lässt sich auch nicht davon irritieren, dass Steinmeier einigermaßen kühl davon spricht, dass Berlin und London sich gegenseitig verstünden, sei „notwendig“.

Steinmeiers Botschaft ist klar: Gute Beziehungen zu London, ja! Ein höflicher Umgang mit dem „lieben Boris“ – natürlich.  Aber zugleich soll der Ausstieg der Briten aus der EU – wenn sie sich denn nun mal entschieden haben – nicht verschleppt werden.

„Eine Hängepartie darf es nicht geben“, sagt er. Das gelte auch nach dem Urteil des Londoner High Courts, wonach Premierministerin May den Startschuss für den Brexit nicht ohne Votum des Parlaments geben darf. Johnson wiederum sagt, man solle „nicht zu viel in die Gerichtsentscheidung hineinlesen“. Die Dinge gingen halt ihren Gang.

Johnson ist durchaus zu Diplomatie fähig

Johnson zeigt: Er kann Diplomatie – oder er arbeitet zumindest daran. Als die beiden Minister auf die aktuellen Festnahmen in der Türkei angesprochen werden, schließt er sich – statt sich selbst der kniffligen Aufgabe einer Antwort zu stellen – seinem deutschen Kollegen an.

Der hat zuvor gesagt, es sei „jetzt an den Verantwortlichen in der Türkei, sich darüber klar zu werden, welchen Weg ihr Land gehen will“. Ohne zu vergessen hinzuzufügen, dass die Türkei ein wichtiger Partner sei.