Berlin - Die Vorgehensweise ist weitgehend klar. Nun wird gesprochen, vor allem hinter den Kulissen. Die CDU will bis zum Dezember einen neuen Vorsitzenden wählen und die Basis soll das entscheidende Wort haben. Das ist in der Satzung zwar gar nicht vorgesehen, war nun aber unvermeidlich.

 „In der jetzigen Lage gab es keinen anderen Weg, als es so zu machen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Mario Czaja der Berliner Zeitung am Montag. Er war am Sonnabend einer der 300 Kreisvorsitzenden, die sich in Berlin mit dem Noch-Vorsitzenden Armin Laschet trafen, um die Wahl auszuwerten und das weitere Vorgehen festzulegen.

Das Stimmungsbild der Kreisvorsitzenden war eindeutig: Ohne die Basis zu beteiligen, wird es keinen neuen Vorsitzenden geben. Generalsekretär Paul Ziemiak soll das nun organisieren. Im Dezember soll dann ein Parteitag die endgültige Wahl vornehmen. Gleichzeitig gibt es aber Bestrebungen, sogenannte Teamlösungen zu bilden. Das bedeutet, dass eventuell doch nicht alle antreten könnten, die derzeit im Gespräch für eine Kandidatur sind. Das bestätigte Norbert Röttgen am Montag im Deutschlandfunk. Es gebe verschiedene Gesprächsrunden über den Parteivorsitz, sagte er.

Gut möglich, dass es letztlich auf ein Duell Norbert Röttgen gegen Friedrich Merz hinausläuft. Offiziell ist das aber nicht. Derzeit sind mindestens fünf Namen für den Parteivorsitz im Gespräch. Friedrich Merz hatte, nachdem Armin Laschet seinen Rücktritt angekündigt hatte, erst einmal gezögert. Mittlerweise wird aber fest damit gerechnet, dass er antritt – zumal er noch immer als Liebling der Basis gilt. Auch Norbert Röttgen wird vermutlich erneut die Chance nutzen, anders lassen sich seine vielen Interviews zum Thema gar nicht erklären.

CDU-Vorsitz: Alle Konkurrenten sitzen im Bundestag - für NRW

Als weiterer Kandidat gilt Ralph Brinkhaus, der schon deshalb antreten könnte, um seine Position als Fraktionsvorsitzender zu festigen. Er wurde in dem Amt nur bis zum April bestätigt. Da alle anderen Konkurrenten ebenfalls im Bundestag sitzen, dürfte es schwer werden, die Position gegen den neuen Vorsitzenden zu verteidigen. Außerdem stehen noch der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn und Carsten Linnemann auf der Liste. Letzterer wird immer mal wieder für höhere Aufgaben ins Gespräch gebracht. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion – und stammt wie alle anderen möglichen Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen. Für viele in der Union ist das ein größeres Problem, als die Kandidaten selbst zugeben möchten. Dass erneut keine Frau im Spiel ist, scheint dagegen weniger zu stören.