An ihnen führt kein Weg vorbei in Libyen: Der türkische Ministerpräsident Erdogan und Russlands Präsident Putin werden in Berlin erwartet - und für die höchste Sicherheitsstufe sorgen. 
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BerlinBerlin steht am Sonntag im Fokus der Weltpolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) laden zu einer Libyen-Konferenz an die Spree ein. Vertreter von elf Staaten und internationalen Organisationen wollen Schritte zur Beendigung des Krieges in dem nordafrikanischen Land beschließen. Der Libyen-Gipfel ist eine Bewährungsprobe für die deutsche und die europäische Diplomatie.

Aus den USA reist Außenminister Mike Pompeo an

Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan haben ihre Teilnahme an der Konferenz zugesagt, ebenso wie der britische Premier Boris Johnson, sein italienischer Amtskollege Giuseppe Conte und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Aus den USA reist Außenminister Mike Pompeo an. Erwartet werden auch Vertreter aus China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Republik Kongo, Ägypten, Algerien sowie der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga.

Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 versinkt Libyen im Chaos. In der Hauptstadt Tripolis sitzt die von den Vereinten Nationen anerkannte Übergangsregierung von Premier Fayiz as-Sarradsch. Ihr Einfluss reicht jedoch nicht einmal bis zur Stadtgrenze. Tripolis wird von den Truppen des Generals Chalifa Haftar belagert. Der frühere Gaddafi-Vertraute kontrolliert große Teile des Landes und will die Regierung von Premier Sarradsch stürzen. Die verfeindeten Kriegsgegner Sarradsch und Haftar werden am Sonntag ebenfalls in Berlin erwartet. Offen ist, ob sie im selben Raum sitzen werden.

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Der Krieg in Libyen hat sich längst zu einem Stellvertreterkrieg ausgewachsen. Die Kriegsparteien erhalten politische, finanzielle und militärische Unterstützung aus aller Welt. Zwar haben die Vereinten Nationen ein Waffenembargo beschlossen und die Sarradsch-Regierung zur einzig legitimen erklärt. Doch beide Vereinbarungen werden von zahlreichen Staaten missachtet. Einen Verbündeten hat die offizielle Regierung in Tripolis vor allem in der alten Kolonialmacht Italien. Zuletzt knüpfte Sarradsch auch enge Bande nach Ankara. Finanziell wird Sarradsch von Katar unterstützt.

Deutschland mit einem Schlichtungsversuch betraut

Sein Gegenspieler Haftar wiederum kann auf Hilfe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien zählen. Einen mächtigen Fürsprecher hat der General auch in Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. Und als besonders nützlicher Partner für Haftar hat sich zuletzt Russland erwiesen.

Der UN-Sondergesandte für Libyen, Ghassan Salamé, hat Deutschland mit einem Schlichtungsversuch betraut, weil die Bundesrepublik als ehrlicher Makler gilt. Auf Betreiben von Kanzlerin Merkel verhandeln seit Sommer vergangenen Jahres Diplomaten des Kanzleramts und des Auswärtigen Amts mit Vertretern der am Libyen-Krieg beteiligten ausländischen Mächte.

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Deutschland will die ausländischen Akteure von der Einmischung in den Libyen-Krieg abbringen. Die Staaten sollen die mit ihnen verbündeten libyschen Kriegsparteien dazu bringen, den Prozess zu einer politischen Verständigung wiederaufzunehmen. Die Bundesregierung wertet bereits die Teilnahme aller Eingeladenen als Erfolg. „Wir werden am Sonntag nicht alle Probleme dieses Landes lösen“, sagte ein Regierungssprecher und drosselte die hohen Erwartungen.

Für die Sicherheitskräfte ist der Sonntag eine Herausforderung. Die Konferenz ist das größte Treffen von Staatsgästen in Berlin in den vergangenen 50 Jahren. Unterstützung bekommt die Berliner Polizei aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei. Insgesamt werden fast 5000 Bereitschaftspolizisten in Berlin unterwegs sein.

Für den türkischen und den russischen Präsidenten gilt die höchste Sicherheitsstufe. Bei dieser Sicherheitsstufe wird die Fahrzeug-Kolonne der Gäste von Präzisionsschützen begleitet. Die meisten der gepanzerten Autos sind in den jeweiligen Botschaften stationiert oder werden aus Sicherheitsgründen extra eingeflogen.

Höchste Sicherheitsstufe für Putin und Erdogan

Am Freitag wurden bereits Gullydeckel verschweißt und die Spree in der Nähe des Bundeskanzleramtes von Tauchern nach möglichen Sprengsätzen abgesucht. Das Areal rund ums Kanzleramt ist   abgeriegelt. Am Sonnabend und Sonntag werden die Gäste im Minutentakt auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel landen. Das gehe relativ schnell, heißt es aus den Sicherheitsbehörden. „Schließlich soll der reguläre Flugbetrieb nicht allzu sehr gestört werden“, sagte ein Beamter.

Die einzelnen Delegationen reisen bereits am Sonnabend nach Berlin und werden in der Stadt übernachten. Vorgesehen sind dafür das Hotel Adlon, das Intercontinental sowie das Ritz Carlton und das Marriott am Potsdamer Platz. Letzteres wird von der amerikanischen Delegation bezogen, die türkischen und russischen Vertreter nächtigen im Ritz Carlton.

Am Sonntag sind eine Demonstration sowie neun Kundgebungen geplant. Sie finden alle in der Nähe des Regierungsviertels statt. Die Polizei rechnet wegen der Straßensperrungen mit massiven Verkehrsbehinderungen. Auch wird es mehr Kontrollen von Personen und Fahrzeugen geben. Mit Komplikationen rechnet die Einsatzleitung nicht. „Wir haben Erfahrungen mit Staatsgästen“, heißt es aus dem Stab der Polizeipräsidentin. Jedoch sei er Einsatz am Sonntag außergewöhnlich groß.