Ein früherer Pornodarsteller muss die öffentliche Berichterstattung über seine Tätigkeit hinnehmen. Mit diesem Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Pressefreiheit in all jenen Fällen gestärkt, in denen Schauspieler ihr Intimleben selbst der Öffentlichkeit preisgeben. Das Urteil erging im Fall eines Bildhauers, der 2007 an der Seite von Katja Riemann an der Verleihung des Deutschen Filmpreises teilnahm. Anschließend berichteten mehrere Blätter unter voller Namensnennung, dass Riemanns neuer Freund an kommerziellen Pornofilmen mitgewirkt hatte. Darunter war auch die Zeitschrift des Bauer-Verlages Auf einen Blick. Das Blatt behauptete weiter, der Darsteller habe gegenüber Riemann seine Vergangenheit verschwiegen.

Der Künstler, der nur als Nebenbeschäftigung an acht Streifen mitwirkte, klagte wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Das Kammergericht Berlin gab – wie so oft in ähnlich gelagerten Fällen – der Unterlassungsklage des Betroffenen statt. Der BGH hob das Urteil des Berliner Pressesenats jedoch in letzter Instanz auf. In der Begründung des jetzt schriftlich vorliegenden BGH-Urteils heißt es, es gehöre zwar zum Kernbereich der Persönlichkeitsrechte, Ausdrucksformen der Sexualität für sich zu behalten. Wer aber intime Angelegenheiten öffentlich zugänglich mache, könne sich dann nicht gleichzeitig auf den Schutz seiner Intimsphäre berufen.

Auch das Recht auf Achtung der Privatsphäre sei durch die Berichterstattung nicht verletzt worden. Denn auch hier habe der Darsteller „gewöhnlich als privat geltende Angelegenheiten“ öffentlich preisgegeben. Er habe nicht nur an Massenszenen mitgewirkt, sondern sei – unmaskiert – auch in Szenen mit nur zwei oder drei Personen zu sehen. Darüber hinaus sei er auf einem Filmcover abgebildet. Der Wertung des Kammergerichts Berlin, der Künstler sei nur als „anonymer austauschbarer Körper aufgetreten“, folgte der BGH nicht. Vielmehr sei der Darsteller identifizierbar, auch wenn sein Name in dem Film nicht genannt wurde. Der Kläger habe sich „bewusst und gewollt der Öffentlichkeit als Pornodarsteller präsentiert“, so das Urteil wörtlich.

Der Fall wurde allerdings noch einmal an das Berliner Gericht zurückverwiesen. Denn nach Angaben des Klägers ist es unwahr, dass er Katja Riemann seine Nebenbeschäftigung verschwiegen hatte. Das muss das Kammergericht nun prüfen.