Berlin - Bianca Heinicke, besser bekannt als „Bibis Beauty Palace“, ist mit rund 4.5 Millionen Abonnenten die unangefochtene Titelverteidigerin der Deutschen Youtuberinnen. Doch scheinbar reichte es ihr nicht aus, das Internet nur mit ihren gehaltvollen Sinnesergüssen zu Themen wie „Darauf stehen Jungs beim Küssen“ oder „IQ Test-Battle der Dümmere wird geschlagen“ zu überfluten.

Neben den Lebensweisheiten für verwirrte Jugendliche und selbstreferentiellen Werbevideos, hat die 24-jährige Kölnerin jetzt auch noch einen Anschlag auf den Musikmarkt verübt.

Am Donnerstag sorgte Bibi mit einem Lied namens „How it is (wap bap)“ für Aufsehen im Internet. In weniger als 24 Stunden wurde das Musikvideo mehr als 8,5 Millionen mal angeschaut. Dank der nicht vorhandenen Interpretationsebenen lässt sich der Inhalt einfach zusammenfassen.

Das Gesetz der Tragödie

Das lyrische Ich in Form einer Protagonistin (Im Video dargestellt von Bibi höchstpersönlich) wurde von ihrem Geliebten verlassen und ist am Boden zerstört. Von einem kaum noch vorhandenen Selbstwertgefühl geplagt, liegt sie schlaflos im Bett, fühlt sich zu dick, antriebslos und leer. Nicht einmal die gemeinsame Katze ist bei ihr geblieben, dabei hätte sie das kuschelige Haustier in ihrer Lage bitter nötig.

So wie es das Gesetz der Tragödie verlangt, verläuft sich die Protagonistin im Labyrinth ihrer Depression. Beim Aufstehen stößt sie sich den Zeh, verliert ihren Job und gerade als sie wieder am sozialen Leben teilnehmen möchte, wird ihre Kreditkarte abgelehnt. Als wäre sie vom Schicksal nicht gestraft genug, wird eine Woche später auch noch ihre Handtasche gestohlen.

Aber was wäre Bibis Erlebnislyrik, wenn am Ende nicht ein junger Mann erscheinen würde, der die Protagonistin aus ihrer existenziellen Lebenskrise führt. Doch das wahre Genie der omnipotenten Bianca Heinicke wird vor allem mit den im Refrain zu findenden Textzeilen I sing… Wap bap wah da de da dah“  und „Dap bap bah da de da dah“ untermauert.

Ende gut, alles gut

Passend zur nicht vorhandenen Sinnhaftigkeit des Textes ist auch das Musikvideo an Originalität kaum zu unterbieten. Mit anderen Worten: Es ist schlecht, richtig schlecht. Mit einem Köfferchen in der Hand und in einen Hauch von Kleid gehüllt, betritt Bibi ein verlassenes Landhaus. Dort verbringt sie neurotisch grinsend die nächsten 3:37 Minuten und trägt in nicht mehr als einer Oktave ihr Opus Magnum der Dichtkunst vor.

Die Bandbreite der dabei getragenen Outfits bewegt sich stets irgendwo zwischen High-Class-Escort-Dame und unschuldiger Disneyprinzessin. Zwischenzeitlich versucht sie sich auch als Niki Minaj des Rheinlands, die in einer Badewanne voller schwarzer Bälle liegt und Seifenblasen durch den Raum bläst. Am Ende des audiovisuellen Epos steigt Bibi auf einer Leiter in den Himmel empor, wo sie von rosafarbenen Wolken umgeben ist. Ende gut, alles gut.

Karikatur ihrer Selbst

Nach alldem stellt sich die Frage, ob die gesamte Inszenierung eine Parodie ist und Bibi sich zu einer Karikatur ihrer Selbst machen möchte, oder ob sie all das wirklich ernst meint. Wenn man bedenkt, dass die Zielgruppe der Youtuberin zehn bis siebzehn Jahre alte Mädchen sind, ist die Botschaft ihres Auftritts besorgniserregend.

Denn was ist die Moral ihrer Geschichte? Sollen heranwachsende Frauen, nachdem sie verlassen wurden, sich zurückziehen und in fragwürdiger Bekleidung durch die Gegend springen, bis der nächste Typ kommt, mit dem man „Spaß“ haben kann?

Jemand mit der Aufmerksamkeit einer Bianca Heinicke sollte seinen Einfluss lieber dafür verwenden, für Heranwachsende als Vorbild zu wirken, anstatt Klischees zu bedienen und durch nebulöse Marketingstrategien Produkte an Minderjährige zu verscherbeln. Das wäre zur Abwechslung mal sogar bereichernd, nur eben nicht für das eigene Portemonnaie.