Joe Biden.
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WashingtonIm US-Präsidentschaftsrennen der Demokraten hat der frühere US-Vizepräsident Joe Biden bei den Vorwahlen am „Super Tuesday“ eine unerwartete Siegesserie und damit ein spektakuläres Comeback hingelegt. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Der Abgang eines Konkurrenten dürfte Biden einen weiteren Schub versetzen: Der Milliardär Michael Bloomberg stieg am Mittwoch infolge enttäuschender Ergebnisse bei den Abstimmungen in 14 Bundesstaaten aus dem Rennen aus.

Enttäuschende Vorwahlen für Michael Bloomberg

Nach Prognosen von TV-Sendern gewann Biden laut der Deuitschen Presse-Agentur am Dienstag 9 von 14 Bundesstaaten: Neben dem zweitwichtigsten Bundesstaat Texas auch Alabama, Arkansas, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia. Bei der wichtigsten Vorwahl im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien lag nach Berechnungen der Sender allerdings Sanders (78) vorne. Sein Wahlkampfteam erklärte ihn dort zum Gewinner. Auch Fox News prognostizierte in Kalifornien einen Sieg des selbst ernannten „demokratischen Sozialisten“. Andere US-Sender wie CNN zögerten zunächst, das Rennen für entschieden zu erklären. Klarer sah es in Sanders' Heimat-Staat Vermont, in Colorado und Utah aus. Für Maine lagen zunächst keine Prognosen vor.

Nach dem „Super Tuesday“ ist weiterhin offen, welcher Demokrat bei der Wahl im November gegen US-Präsident Donald Trump antreten wird. Das Bewerberfeld dünnte sich mit dem Abgang Bloombergs jedoch weiter aus. Es bestehe für ihn rein rechnerisch keine Chance mehr, sich die Nominierung zu sichern, erklärte Bloomberg. Der richtige Kandidat sei Biden. Wenn er selbst im Rennen bleibe, würde es das Ziel, US-Präsident Donald Trump zu besiegen, nur erschweren.

Obwohl Bloomberg Hunderte Millionen US-Dollar seines eigenen Vermögens in den Wahlkampf gesteckt hatte, schnitt der 78-Jährige am Dienstag enttäuschend ab. Er gewann lediglich das Außengebiet Amerikanisch-Samoa, wo es nur um sechs Delegiertenstimmen ging. Trump reagierte mit Häme auf Bloombergs Rückzug. „Ich hätte ihm schon vor langer Zeit sagen können, dass er nicht das nötige Zeug dazu hat“, schrieb der Präsident auf Twitter. Bloomberg hätte sich mit dem Verzicht auf eine Kandidatur Trump zufolge viel Geld sparen können. Im Rennen bleiben neben Sanders und Biden noch die chancenlose Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38) und die Senatorin Elizabeth Warren (70). Sie musste eine herbe Niederlage einstecken: Selbst ihren Heimat-Bundesstaat Massachusetts konnte Warren nicht gewinnen.

Bewerber braucht eine Mehrheit von 1991 Delegiertenstimmen

Alleine in Kalifornien werden 415 Delegiertenstimmen vergeben - von 1344, die bei den Vorwahlen am «Super Tuesday» in insgesamt 14 Bundesstaaten zu holen sind. In Texas sind es 228 Delegiertenstimmen. Nicht alle Delegiertenstimmen gehen an den Sieger in den jeweiligen Bundesstaaten: Sie werden in der Regel unter Kandidaten verteilt, die mehr als 15 Prozent der Stimmen gewinnen konnten.

Für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat beim Parteitag der Demokraten in Milwaukee (Wisconsin) benötigt ein Bewerber eine Mehrheit von 1991 regulären Delegiertenstimmen - mehr als Drittel davon war bei den Vorwahlen am Dienstag zu holen. Der «Super Tuesday» war daher der wichtigste Tag im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf der Suche nach einem Herausforderer für Amtsinhaber Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November.

Bitterer Tag für Elizabeth Warren

Eine herbe Niederlage musste die Senatorin Elizabeth Warren (70) einstecken: Sie kam in ihrem Heimat-Bundesstaat Massachusetts nach Prognosen nur auf Platz drei. Die fünfte Bewerberin um das Präsidentschaftsrennen der Demokraten - die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38) - spielte am «Super Tuesday» keine Rolle.

Biden kann auf starken Rückhalt bei schwarzen Wählern bauen und konnte am Dienstag teils fulminante Erfolge in südlichen Bundesstaaten einfahren. So lag er etwa in Alabama nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission des Bundesstaats bei mehr als 63 Prozent der Stimmen, Sanders kam dort auf knapp 17 Prozent. In Virginia lag Biden nach vorläufigen Ergebnissen der dortigen Wahlkommission rund 30 Prozentpunkte vor Sanders.

Biden ist siegessicher

Vor dem «Super Tuesday» hatte Sanders bei den Demokraten nach vier Vorwahlen in Führung gelegen. Auch in nationalen Umfragen stand er an der Spitze. Zuletzt hatte am Samstag allerdings Biden im südlichen Bundesstaat South Carolina deutlich gewonnen. Am Abend vor dem «Super Tuesday» hatte Biden zudem einen kräftigen Schub bekommen: Die ausgeschiedenen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke riefen ihre Anhänger dazu auf, seine Kandidatur zu unterstützen.

Biden zeigte sich am Dienstagabend vor Anhängern siegessicher. «Erst vor wenigen Tagen haben die Presse und die Experten diesen Wahlkampf für tot erklärt», sagte er in Los Angeles. «Wir sind sehr lebendig!» Biden fügte hinzu: «Wir sind besser als dieser Präsident. Also steht wieder auf und holt Euch das Land zurück.»

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Auch Sanders gab sich zuversichtlich, das Rennen um die Nominierung der Demokraten gewinnen zu können. «Heute Abend sage ich euch mit absoluter Zuversicht, dass wir die demokratische Nominierung gewinnen werden und wir den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes schlagen werden», sagte Sanders in Vermont.

Präsident Trump hat innerhalb seiner Partei keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Republikaner haben daher in mehreren Bundesstaaten ihre Vorwahlen abgesagt. Am Dienstag hielten sie aber auch in 13 der 14 «Super Tuesday»-Staaten Vorwahlen ab. Trump erklärte sich in allen diesen Bundesstaaten zum Sieger.

Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt noch bis Juni hin, bevor die Nominierungsparteitage der Parteien anstehen. Die Republikaner werden im August formell Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten küren.

Warum ist der „Super Tuesday“ so wichtig?

Ein Mann gibt am "Super Tuesday" seine Stimme ab.
Foto: AFP/Samuel Corum

Am „Super Tuesday“ gibt es so viele Stimmen zu gewinnen wie an keinem anderen Wahltermin. Bei den Demokraten werden 1344 der 3979 Delegierten, also rund ein Drittel, vergeben. Diese Delegierten werden beim Nominierungsparteitag im Sommer letztlich den Präsidentschaftskandidaten bestimmen. Einschließlich der vier Februar-Vorwahlen sind nach dem „Super Tuesday“ rund 40 Prozent der Delegierten vergeben.

Wer der Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird, steht nach dem „Super Tuesday“ zwar noch nicht entgültig fest, 
die Abstimmung gilt jedoch als eine enorm wichtige Wegmarke. Einer der Bewerber könnte sich klar vom Rest absetzen und seine Nominierung deutlich wahrscheinlicher machen. In den vergangenen drei Jahrzehnten gewann der Sieger des Super Tuesday auch immer die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.

Wo wird am „Super Tuesday“ gewählt?

Am 3. März wird in 14 Bundesstaaten gewählt sowie im US-Außengebiet Samoa. Auch Demokraten im Ausland können abstimmen.

Grafik: C. Goldammer; Redaktion: J. Schneider

  • Alabama (52 Delegierte)
  • American Samoa (6 Delegierte)
  • Arkansas (31 Delegierte)
  • Colorado (67 Delegierte)
  • Kalifornien (415 Delegierte)
  • Maine (24 Delegierte)
  • Massachusetts (91 Delegierte)
  • Minnesota (75 Delegierte)
  • North Carolina (110 Delegierte)
  • Oklahoma (37 Delegierte)
  • Tennesse (64 Delegierte)
  • Texas (228 Delegierte)
  • Utah (29 Delegierte)
  • Vermont (16 Delegierte)
  • Virginia (99 Delegierte)

Wer hat die besten Chancen?

Aktuell sind noch fünf Demokraten im Rennen. Der linke Senator Bernie Sanders liegt nach den bisherigen vier Vorwahlen vor Ex-Vizepräsident Joe Biden. Sanders führt in nationalen Umfragen und ist auch in den wichtigen „Super Tuesday“-Staaten Kalifornien und Texas in Umfragen der Favorit. Doch nach der jüngsten Vorwahl in South Carolina hat sich einiges verschoben. Mehrere Anwärter gaben danach auf - darunter der Ex-Bürgermeister aus Indiana, Pete Buttigieg, und die Senatorin Amy Klobuchar, die wie Biden den moderaten Flügel der Partei bedienen.

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Wer sind die Präsidentschaftskandidaten?

Bernie Sanders: Der streitbare linksgerichtete Senator ist inzwischen Favorit im Präsidentschaftsrennen. Der 78-Jährige landete in zwei der vier bisherigen Vorwahlen vorn und führt die landesweiten Umfragen klar an. Mit seinem dezidiert linken Wahlprogramm ist „Bernie“ ein Idol für viele junge Wähler. Der selbsternannte demokratische Sozialist verspricht die „politische Revolution“, will eine gesetzliche Krankenversicherung für alle, eine Reichensteuer und strengere Regeln für die Wall Street.

Joe Biden: Der frühere Vizepräsident galt lange als Favorit, schnitt bei den ersten Vorwahlen aber miserabel ab und fiel auf Platz zwei hinter Sanders zurück. Sein klarer Sieg am Wochenende bei der Vorwahl im Bundesstaat South Carolina gab dem 77-jährigen Mitte-Politiker neuen Schwung im Wahlkampf. Biden will mit seiner großen politischen Erfahrung und seinen acht Jahren als Vizepräsident von Barack Obama punkten. 

Michael Bloomberg: Der Medienmilliardär und frühere New Yorker Bürgermeister hat die bisherigen Vorwahlen ausgelassen und steigt erst zum Super-Dienstag ins Rennen ein. Der 78-Jährige hatte seine Kandidatur erst spät verkündet, machte dies aber mit einer wahren Flut an Wahlwerbung wieder wett. Der Gründer der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat hunderte Millionen aus seiner Privatschatulle in den Wahlkampf gesteckt und in landesweiten Umfragen Platz drei erobert.

Elizabeth Warren: Die 70-jährige Senatorin ist eine wortgewaltige Vertreterin des linken Demokraten-Flügels. Die frühere Jura-Professorin hat sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben und will die Macht von Großkonzernen beschneiden. Sie beeindruckt im Wahlkampf mit detaillierten Politik-Vorschlägen und großer Sachkenntnis.

Tulsi Gabbard: Die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard wird laut Umfragen bei den Vorwahlen keinerlei Rolle spielen.

Wann ist mit den Ergebnissen zu rechnen? 

Erste Resultate dürften laut dpa erst am frühen Mittwochmorgen deutscher Zeit vorliegen. Es wird in Bundesstaaten quer durch das Land abgestimmt, also in mehreren Zeitzonen. Die ersten Wahllokale an der Ostküste schließen um 19 Uhr Ortszeit, nach deutscher Zeit in der Nacht zu Mittwoch um 1 Uhr MEZ. Die letzten Wahllokale schließen an der Westküste in Kalifornien nach deutscher Zeit am frühen Mittwochmorgen um 5 Uhr MEZ.

In Kalifornien dürfte es besonders lange dauern, bis endgültige Ergebnisse feststehen: Dort ist die Abstimmung per Briefwahl auch dann gültig, wenn sie den Poststempel vom Wahltag hat und spätestens drei Tage später bei den zuständigen Behörden eingeht. Die Auszählung der Briefwahlstimmen danach dürfte sich ebenso hinziehen.

Stimmen die Republikaner eigentlich auch ab?

Auch die Repunlikaner stimmen am Dienstag ab, bei ihnen ist das Rennen jedoch deutlich weniger spannend. Trump hat als Amtsinhaber parteiintern keine ernstzunehmende Konkurrenz. In mehreren Bundesstaaten hat die republikanische Partei die Vorwahlen daher gleich ganz abgesagt. Am „Super Tuesday“ stimmen allerdings auch die Republikaner - bis auf Virginia - in allen der betroffenen Bundesstaaten ab. Trump kann mit überwältigenden Ergebnissen rechnen.