Berlin - Selten ist ein neuer US-Präsident so zielstrebig ans Werk gegangen wie Joe Biden. Er ist noch keine 100 Tage im Amt und hat schon so entscheidende Projekte auf die Schienen gesetzt wie manch Vorgänger in vier Jahren nicht. Beim Impfen gegen Covid-19 sind die USA weiter als die meisten anderen Länder auf der Welt. Das Billionen-Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft ist vom Kongress verabschiedet. Die Schecks mit der Soforthilfe von 1400 Dollar sind bei den notleidenden Amerikanern eingetroffen und in dieser Woche wird der Präsident die ersten Infrastrukturvorhaben seines „American Rescue Plan“ vorstellen. Konkurrenten wie China und Russland, schwierigen Verbündeten wie der Türkei und Saudi-Arabien hat die neue US-Regierung zu verstehen gegeben, dass sie sowohl den internationalen strategischen Interessen der USA als auch moralischen Kategorien in der Außenpolitik wieder Geltung verschaffen will.

Die vor allem in Berlin erhoffte enge außenpolitische Abstimmung mit Washington erweist sich allerdings als weniger vertrauensvoll als erwartet. So lässt Biden die Deutschen im Unklaren, wann die USA ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen wollen. Das ist für den Entsender des zweitgrößten Truppenkontingents aber von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit und Logistik der eigenen Soldaten. Völlig konträr ist weiter die Haltung zum deutsch-russischen Pipelineprojekt Nord Stream 2, das die Biden-Regierung als Affront betrachtet. Eine Kompromisslösung ist schwer vorstellbar.

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