Berlin - Die Stadt Bielefeld gibt es gar nicht – seit vor 25 Jahren ein satirischer Text im Internet diese Behauptung in die Welt setzte, hält sich die Verschwörungstheorie hartnäckig. Nun setzt Bielefeld selbst eine Belohnung von einer Million Euro aus. Wer beweist, dass es die Stadt nicht gibt, bekommt das Geld. Der Aufruf ruft auch Berliner Forscher auf den Plan. Experten des Deutschen Spionagemuseums behaupten nun: Die Stadt ist eine Erfindung der Stasi!

In einer Kurz-Doku berichtet Dr. Christopher Nehring, der wissenschaftliche Leiter des Museums, man sei bei der Sichtung eines alten Dokumentenbestandes von einem anonymen Sammler auf bisher unbekannte Unterlagen gestoßen. „Diese Akten bearbeiten wir bereits seit 2017“, sagt er mit geheimnisvoller Stimme. „Als nun das Preisgeld ausgelobt wurde, schien uns der Zeitpunkt für die Veröffentlichung perfekt.“

Inhalt der entdeckten Dokumente: Das Ministerium für Staatssicherheit unterhielt zu DDR-Zeiten „eine streng geheime Basis zur Versorgung ihrer Agenten im Großraum Münster“, heißt es in einer Mitteilung des Museums. Zur Tarnung jener Basis habe man Ende der 80er-Jahre den Decknamen „Bielefeld“ verliehen.

Der genaue Stasi-Plan für die fiktive Stadt steht angeblich in den Dokumenten: „Diese muss sich dem einfältigen BRD-Bürger reizlos darstellen, sodass Reisen, Besuche als auch jegliche Nachfrage bereits im Keim erstickt werden.“ Unterstützt werde der farblose Name „Bielefeld“ durch die „Konzeption als mittelgroße Stadt, ohne herausragende Sehenswürdigkeiten, Denkmäler oder Ausgehmöglichkeiten, umgeben von Flachland und Mischwald.“ Für Christopher Nehring ein genialer Schachzug. „Dass die Stasi plante, die Stadt in der Außenwirkung möglichst reizlos erscheinen zu lassen, damit niemand hinfährt, ist brilliant!“

Bielefeld als Erfindung der Stasi – ist das Museum damit nicht über das Ziel hinausgeschossen? Wie entstand die Idee, sich mit diesem Beitrag an der Aufklärung der Verschwörung zu beteiligen? „Es war keine Idee – die Dokumente kommen von einem Sammler“, versichert Nehring. Sein Lächeln ist durch das Telefon zu hören.

Finanzspritze erwünscht

Jetzt aber mal im Ernst: Sollte es Bielefeld trotz aller Gegenbeweise tatsächlich geben, ist fraglich, was mit der ausgelobten Million passiert. Vielleicht wird daraus ja ein Preisgeld für die kreativsten Beiträge? Finanzspritzen dieser Art würde man in die Förderung der Ausstellung stecken, sagt Nehring. „Dann würde die nichtexistente Stadt Bielefeld einen Teil dazu beitragen, dass die Sammlung gepflegt werden kann.“ 

Die Berliner Zeitung fragte in Bielefeld nach – und erreichte tatsächlich jemanden. Jens Franzke, Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH, wiegelt aber ab. „Die Million gibt es nur für den Beweis, dass es unsere Stadt nicht gibt“, sagt er. Und der müsse erst gefunden werden – zwischen rund 2000 Einsendungen, unter anderem aus Europa, den USA, Kanada, Russland, Neuseeland und Australien. „Wir überlegen natürlich, was wir am Ende aus den schönsten Beiträgen machen. Die besten werden wir demnächst zeigen und widerlegen. Trostpreise wird es aber auf keinen Fall geben.“

Die Regeln sind klar

Denn die Regeln sind klar. „Den hartnäckigen Anhängern des Spruchs, dass es uns gar nicht gibt, räumen wir mit der Bielefeldmillion noch einmal eine faire und großzügige Chance ein. Dann sollen auf den Spruch doch einmal Beweise folgen“, sagt Pit Clausen. „Nach 25 Jahren ist es gut mit der Bielefeld-Verschwörung!“ Clausen ist übrigens der Bürgermeister von Bielefeld. Behauptet er jedenfalls.