BerlinÜber Weihnachten guckten wir wieder „Auf der Flucht“, mit Harrison Ford als verfolgter Unschuld. Erneut widerfuhren Dr. Kimble eine tote Gattin und etwas Stress, weil eine Pharmafirma die Nebenwirkungen ihrer neuesten Arznei vertuschen wollte. Alles wie immer. Nur dachte ich diesmal: Oh, diese Täter passen ja mal gerade gar nicht in die Zeit.

Kurz zuvor hatte  Franz Josef Wagner, Kolumnist der Bild-Zeitung, behauptet, „die Immunspritze“ sei „das größte Geschenk, das es jemals gab“. So „wie die Nachricht, dass das Christkind geboren wurde“. Der Mann kommt oft auf rauschhafte Ideen. Diese hier erschien dem Magazin Stern massenkompatibel genug, um daraus ein Titelbild zu machen: Darauf boten Caspar, Melchior und Balthasar dem frisch geschlüpften Jesulein nicht Weihrauch, Gold und Myrrhe dar, sondern eine Dosis BNT162b2 alias „Comirnaty“. Über der Szene stand die Zeile „Ein Akt der Nächstenliebe“. Dazu, in Großbuchstaben: IMPFEN. Die Heiligen Drei Könige als Pharmareferenten. Wann wurden diese Spezies und Begriffe wie „Geschenk“ oder „Nächstenliebe“ je in ein und demselben Kontext entdeckt?

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