Berlin - Die Gastgeberin ist bester Laune und verteilt reichlich Lob – vor allem an sich selbst. Montagmorgen im Bundesministerium für Umwelt und Bauen in Berlin: Ministerin Barbara Hendricks (SPD) hat Verbandsvertreter eingeladen, um über den Stand des Wohnungsbaus in Deutschland zu reden. Sie selbst spricht von einer „Zwischenbilanz“, die positiv ausfalle.

Die Trendwende sei geschafft, sagt Hendricks. Die Zahl der Baugenehmigungen sei seit ihrem Amtsantritt deutlich gestiegen, die Zahl der neu gebauten Wohnungen ebenfalls. „In dieser Legislaturperiode werden wir voraussichtlich eine Million Wohnungen fertigstellen können.“ Gemeinsam mit Wohnungswirtschaft und Gewerkschaften sei es ihr gelungen, die Akzeptanz des Wohnungsbaus  in der Bevölkerung  zu erhöhen.

Ein Reporter will von der Ministerin wissen,  wie sie das mit der „Zwischenbilanz“ meine. Ob das so zu verstehen sei, dass sie nach der Wahl weitermachen wolle in ihrem Amt? Hendricks‘ antwortet sehr direkt: Bekanntlich kandidiere sie wieder für den Bundestag. „Selbstverständlich stehe ich auch als Ministerin wieder zur Verfügung, wenn die Konstellationen so sind.“

Es ist eine klare und ziemlich überraschende Ansage. Adressat sind die Wähler, der politische Gegner und vor allem die eigene Partei.

Mit Demut an das Thema herangearbeitet

Barbara Hendricks ist 65 Jahre alt. Auch in der SPD gibt es genügend Leute, die endlich Karriere machen wollen und die das Gefühl haben, dass ihnen die Rentner-Generation dabei im Wege steht. Hendricks aber will von Kürzertreten nichts wissen. Die Umfragen sehen derzeit nicht gut aus für die Sozialdemokraten und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Falls es im Herbst dennoch für eine Regierungsbeteiligung reicht, will Hendricks wieder Platz nehmen am Kabinettstisch. Sollte die Parteiführung etwas dagegen haben, wird sie es beizeiten deutlich machen müssen.

Als Union und SPD nach der Wahl 2013 und langwierigen Koalitionsverhandlungen die Kabinettsposten verteilten, hatte niemand Hendricks auf dem Zettel. Um dem internen Proporz gerecht zu werden, brauchte der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel unbedingt noch eine Frau aus Nordrhein-Westfalen. Hendricks stammt aus Kleve am Niederrhein, das passte also.

Barbara Hendricks war bis dato jemand, der eher geräuschlos seinen Dienst in der zweiten Reihe versah, etwa als Finanz-Staatssekretärin oder als Schatzmeisterin der SPD. Plötzlich war das Umweltministerium zu haben – zwar ohne Zuständigkeit für die Energiewende, aber dafür erweitert um die Baupolitik. Hendricks griff beherzt zu, scharte kompetente Berater um sich und arbeitete sich mit der notwendigen Demut in das Thema ein.