Berlin - Die Grünen dringen darauf, Flüchtlingen rasch Studienchancen zu eröffnen. Deshalb fordern sie die Bundesregierung auf, gemeinsam mit Ländern und Hochschulen „einen Chancengipfel“ einzuberufen. Dabei müsse es um die unbürokratische Anerkennung von Studienberechtigungen, die Ausweitung von Sprachkursen, Stipendienangebote und eine Öffnung des Bafög für Flüchtlinge gehen, heißt es in einem Bundestagsantrag, welcher dieser Zeitung vorliegt.

„Die Hälfte der Flüchtlinge ist unter 25 Jahre alt, davon darf kein Talent verloren gehen“, sagte der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, dieser Zeitung. „Mehrere zehntausend sind schon jetzt für die Aufnahme eines Studiums qualifiziert“, fügte er hinzu. Damit Deutschland von diesen Menschen perspektivisch profitieren könne, müsse man ihnen jetzt die Türen zu Universitäten und Fachhochschulen weit öffnen. 

Schnellerer Zugang zur Ausbildungsförderung

Für den Bund bleibt aus Sicht der Grünen insbesondere noch viel zu tun, um die Finanzierung des Lebensunterhalts während des Studiums sicherzustellen. „Flüchtlinge müssen schnelleren Zugang zur Ausbildungsförderung erhalten. Wer die Einschreibung in die Hochschule schafft, darf nicht an der Studienförderung scheitern“, heißt es in dem Antrag. Es müsse selbstverständlich sein, nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhalten zu können.

Ohnehin sei ja seit Jahren der Ausbau von Infrastruktur notwendig – von den Hörsälen bis hin zu den Wohnheimplätzen. Nun sei die Herausforderung dringender denn je, befinden die Grünen. Dabei stelle sich auch die Frage, inwieweit der Hochschulpakt 2020 aufgestockt werden müsse. Mit ihm haben Bund und Länder Geld für die Universitäten und Fachhochschulen bereitgestellt. Damit haben sie darauf reagiert, dass ein immer höherer Anteil von jungen Menschen eines Jahrgangs studiert – ohne dass die Verantwortlichen da schon von der Flüchtlingskrise hätten wissen können.

Regelungsbedarf bei der Studienzulassung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte kürzlich in einer Umfrage bei den Bundesländern herausgefunden, dass abgesehen von Finanzierungsfragen auch noch Regelungsbedarf bei der Studienzulassung besteht. Dies gilt zum Beispiel für den Fall, dass wichtige Unterlagen komplett fehlen – was bei Flüchtlingen ja alles andere als ein Einzelfall ist.

Die Grünen sehen jetzt zwar viele Aufgaben für alle Beteiligten, aber auch große Chancen. „Jeder junge Flüchtling von heute kann Gründerin, Arzt oder Ingenieurin von morgen werden“, sagte Gehring. „Die Zahl der Erfolgsgeschichten wird umso höher sein, desto entschlossener wir jetzt in Chancen für alle investieren.“