Björn Höcke, AfD-Chef in Thüringen, tritt an. 
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Berlin/ErfurtZwei Tage vor dem zweiten Anlauf zur Ministerpräsidentenwahl in Thüringen hat die AfD erneut einen eigenen Kandidaten vorgestellt. Diesmal ist es Fraktionschef Björn Höcke, der sich gegen den früheren Ministerpräsidenten und Kandidaten der Linken, Bodo Ramelow, zur Wahl stellt. Die AfD-Fraktion habe erneut einen parteilosen Kandidaten aufstellen wollen, Gespräche mit eventuellen Kandidaten seien aber ergebnislos verlaufen, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Thüringer Landtag, Torben Braga. Man werde Höcke in allen Wahlgängen wählen, sagte Braga und schloss damit einen Schachzug wie am 5. Februar aus.

Damals hatte die AfD im dritten Wahlgang ihren eigenen Kandidaten, den parteilosen Christoph Kindervater, durchfallen lassen und dem FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich zur Mehrheit verholfen. Das hatte ein politisches Erdbeben ausgelöst, in dessen Verlauf die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug angekündigt hatte.

Nach tagelangen Verhandlungen mit der CDU und dem Abschluss eines informellen „Stabilitätspaktes“ versuchen Linke, SPD und Grüne am Mittwoch, Bodo Ramelow erneut ins Amt zu wählen. Der Koalition fehlen vier Stimmen, die von der CDU kommen sollen. Die jedoch schließt das aus. „Wir werden Bodo Ramelow nicht wählen“, erklärte der Generalsekretär der Thüringer CDU und Landtagsabgeordnete Raymond Walk der Berliner Zeitung am Montag. Das gleiche hatten die Liberalen bereits erklärt.

Im Landtag wird die Kandidatur Höckes als Schachzug gewertet, um sichtbar zu machen, dass eventuelle Stimmen für Ramelow auf keinen Fall von der AfD, stammen. „Wir möchten die CDU und die FDP zum Schwur zwingen“, erklärte Braga am Montag. Die Kandidatur Höckes sei ein „demokratisches Angebot“.

Björn Höcke gilt als Wortführer des rechtsnationalen „Flügels“ der AfD, der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich Rechtsextremismus eingestuft wird.