Insbesondere beim Thema Einwanderung habe Melanie ihren Mann kräftig Kontra gegeben.
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WashingtonWashington ist ein hartes Pflaster für Journalisten im Zeitalter von Donald Trump. Die täglichen Ungeheuerlichkeiten des Präsidenten sind eine Nachrichtenmaschine auf Hochtouren, und dranzubleiben ist ein Job, der niemals aufhört. Im Vergleich dazu hat Kate Bennett ein entspanntes Leben. Die 45-Jährige ist zwar auch mittendrin im Zirkus rund um das Weiße Haus, doch auf ihrem Gebiet ist sie konkurrenzlos.

Die CNN-Reporterin hat als einzige Journalistin nur die Aufgabe, sich auf Melania Trump zu konzentrieren.

Körpersprache analysiert

Seit dem Amtsantritt des Gatten beschattet sie Melania, begleitet sie auf Reisen von Toronto bis Berlin, sie kommentiert ihre Mode und ist die Top-Expertin geworden, wenn es darum geht, die Körpersprache der schweigsamen und auch etwas geheimnisvollen Präsidentengattin zu lesen.

Nun hat Bennett ihr Exklusivwissen zu einem Buch verarbeitet, das „Free, Melania“ heißt. Der Titel verrät bereits die These des Werks. Durch Einsetzung des Kommas in den bekannten Hashtag widerspricht sie der Theorie, dass für Melania Trump das Weiße Haus eine Art goldener Käfig ist, in dem sie mit ihrem Mann ihr tristes Dasein fristen muss.

Bennett zeichnet Melania als selbstbewusste Frau, die ihre Rolle als First Lady nicht bloß aushält, sondern aktiv gestaltet. Sie telefoniere täglich mit ihrem Mann, heißt es, und sage ihm dabei gründlich ihre Meinung zu den Themen des Tages. Und neben den Moderatoren von Fox News habe niemand so viel Einfluss auf ihn wie sie. Insbesondere beim Thema Einwanderung habe sie ihm kräftig Kontra gegeben, sie sei zwar auch für strenge Gesetze, bei der Trennung von Familien habe sie jedoch einen Strich gezogen.

Eine traditionelle Ehefrau und Mutter

Die große Frage, die sich die Leser stellen, wie es nämlich um die Ehe der beiden bestellt ist, beantwortet Bennett freilich nicht vollständig. Melania sei in vielerlei Hinsicht eine traditionelle Ehefrau und Mutter, heißt es. Die vielen glaubhaften Anschuldigungen von außerehelichen Affären und gar sexuellem Missbrauch durch ihren Mann habe sie aber nicht stumm ertragen.

Immerhin habe Melania deshalb schon einmal einen Staatsbesuch abgesagt. Da endete dann aber auch schon die Rebellion der Frau, die Bennett für eine Feministin hält. Ansonsten erfährt man, dass sie gerade dabei sei, den Ostflügel des Weißen Hauses zu renovieren. Sie macht es sich gemütlich in den Kammern der Macht. Und wenn der Mann auf der anderen Seite des Gebäudes wieder was Schlimmes tut, dann bleibt sie halt wieder ein paar Tage zu Hause.