Juso-Bundesvorsitzender

Gerhard Schröder stammt aus einfachen Verhältnissen, seine Mutter Erika ist Witwe, Schröders Vater Fritz war 1944 im Krieg gefallen. Gerhard Schröder hatte ihn nie kennengelernt. Das Abitur macht Schröder auf den zweiten Bildungsweg, anschließend studiert er Jura. Während des Studiums beginnt seine politische Karriere. 1978 wird er Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (Juso), der Jugendorganisation der SPD. Der Legende nach hatte Schröder bereits zu Juso-Zeiten Kanzler-Ambitionen: Bei einer Kneipentour durch Bonn soll er am Zaun des Kanzleramtes gerüttelt haben, und den – inzwischen zur Legende gewordenen – Satz gerufen haben: „Ich will da rein!“

Ministerpräsident in Niedersachsen

1990 gewinnt Gerhard Schröder die Niedersachsen-Wahl. Acht Jahre steht er als Ministerpräsident an der Spitze des Bundeslandes.

Bundeskanzler

1998 wagt Schröder den Angriff auf Helmut Kohl. Es gelingt ihm, den ewigen Kanzler nach 15 Jahren aus dem Amt zu verdrängen. Gerhard Schröder erschafft die erste rot-grüne Bundesregierung. Das Fundament der Koalition bildet anfangs das Trio aus Kanzler Schröder, dem grünen Außenminister Joschka Fischer und Finanzminister Oskar Lafontaine.

Öffentlicher Spott

Wegen seiner Vorliebe für dicke Zigarren und italienische Maßanzüge musste der "Brioni-Kanzler" immer wieder öffentlichen Spott hinnehmen. Der Kölner Rosenmontagszug widmet ihm im Jahr 2000 einen Wagen.

Rücktritt von Oskar Lafontaine

Mit dem damaligen SPD-Parteivorsitzenden geht Schröder ein enges Bündnis ein. Doch schon ein halbes Jahr später wirft Lafontaine das Handtuch. Am 11. März 1999 erklärt Lafontaine seinen Rücktritt vom Amt des Bundesfinanzministers. Er begründet den Rückzug aus allen Ämtern mit dem „schlechten Mannschaftsspiel“ in der Regierung.

Inzwischen gibt Oskar Lafontaine offen zu, was ihn seit seinem überstürzten Rücktritt als SPD-Chef und Bundesfinanzminister im März 1999 antreibt – Rache. „Ich wollte Schröder stürzen“, erzählt der Saarländer und spätere Linken-Parteichef, der die Agenda 2010 wie kein Zweiter bekämpft. Mit dem starken PDS-Ergebnis sei es Lafontaine 2005 gelungen, Schröder die Kanzlerschaft zu nehmen, sagt Gregor Gysi (Linke) im Rückblick. Für Lafontaine war es ausgleichende Gerechtigkeit. In der Wahlnacht sei die Rivalität von ihm abgefallen.  Seitdem gibt es zwischen beiden kein Wort, keinen Handschlag, keine Geste.

Nein zum Irakkrieg und Krisenbekämpfung

Mit seinem "Nein" zum Irakkrieg zieht Schröder in den Wahlkampf 2002. Danach gilt das Verhältnis zu US-Präsident George W. Bush als gestört. Bei den Wählern kommt Schröders Weigerung, die USA im Irakkrieg zu unterstützen, hingegen gut an. Außerdem punktet Schröder durch sein Krisen-Management beim Jahrhunderthochwasser der Elbe im Sommer 2002.

Politisches Vermächtnis Agenda 2010

Nach dem knappen Wahlerfolg präsentierte sich Schröder seit 2003 als "Basta-Kanzler": Er stellte mit seiner "Agenda 2010" ein umfassendes Reformpaket vor. Sozialpolitische Eingriffe wie die Zusammenlegung von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe bedeuten einen radikalen Kurswechsel und bringt ihm viel Kritiker auch aus den eigenen Reihen ein. Trotzdem bleibt das Reformwerk - neben dem Heraushalten Deutschlands aus dem Irak-Krieg - Schröders politisches Vermächtnis.

Die legendäre Elefantenrunde und das Ende der Kanzlerschaft

Im Juni 2005 stellte der unter Druck geratene Kanzler die Vertrauensfrage. Bei den Neuwahlen im Herbst siegt Angela Merkel (CDU) äußerst knapp. Inzwischen legendär ist der Auftritt des Entthronten in der TV-Elefantenrunde, in der Schröder sich hartnäckig weigert, seine Niederlage anzuerkennen. Von den Moderatoren als „Herr Bundeskanzler“ angesprochen „denn das sind Sie ja noch“ verkündet Schröder selbstbewusst: „Das bleibe ich auch! Auch, wenn Sie dagegen arbeiten.“ Niemand außer ihm selbst, so Schröder, sei in der Lage, eine stabile Regierung zu stellen. Die designierte Kanzlerin und einige von Schröders Weggefährten sind ob des krawalligen Auftritts einigermaßen irritiert. „Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei bei dieser Sachlage auf ein Gespräch mit Frau Merkel einginge?“ giftet Schröder vor laufender Kamera. Und: „Frau Merkel möchte Bundeskanzlerin werden? Wir müssen die Kirche auch mal im Dorf lassen!“

Gazprom und die Freundschaft zu Wladimir Putin

Dass Schröder Putin einst als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnete, hängt dem Ex-Kanzler ewig nach. Selbst gesagt hat Schröder es allerdings gar nicht, sondern nur die Frage von ARD-Talker Reinhold Beckmann bejaht. Einen Aufschrei gibt es, als Schröder zwei Wochen nach dem Auszug aus dem Kanzleramt an die Spitze des Aufsichtsrates der Ostsee-Gas-Pipeline-Gesellschaft Nord Stream wechselt, wo die russische Gazprom das Sagen hat. Wie viel Schröder seitdem für den Job kassiert, bleibt offen. Ebenso wie die Frage, ob die Freundschaft mit Putin als ein Höhe- oder Tiefpunkt in Gerhard Schröders Leben und Karriere zu bewerten ist. (mit dpa)