Justizbeamte nehmen Stephan B. zu Beginn des zwölften Prozesstages im Landgericht die Handfesseln ab. 
Foto: dpa

Magdeburg - Karsten L. ist an die 1,90 Meter groß, breites Kreuz, muskulöser Körper, ein Kerl wie ein Schrank. Von Beruf ist er Gerüstbauer. Aufrecht sitzt er an diesem Dienstag im Zeugenstuhl des Oberlandesgerichts in Magdeburg, als ihn die Vorsitzende Richterin begrüßt. Der 44-Jährige ist Vater von Kevin Schwarze, dem jungen Mann, der am 9. Oktober vergangenen Jahres in einem Dönerimbiss in Halle kaltblütig erschossen wurde. Von Stephan B., der schräg gegenüber auf der Anklagebank sitzt und es nicht wagt, den Vater seines Opfers anzuschauen.

Es ist der bislang erschütterndste Auftritt eines Zeugen in diesem emotional sehr aufgeladenen Prozess. Schon an den vergangenen Verhandlungstagen hatten die Aussagen der Menschen, die beim Angriff des Attentäters in der Synagoge saßen und Todesängste litten, die Zuhörer im Saal bewegt. An diesem Tag aber kämpfen viele im Saal mit den Tränen, als sie den Schmerz eines Vaters über seinen toten Sohn miterleben und zusehen müssen, wie dieser große, kräftige Mensch dort vorn im Zeugenstuhl von Weinkrämpfen geschüttelt wird und förmlich in sich zusammenfällt.

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