Bornhagen - Das Berliner „Zentrum für Politische Schönheit“ sorgt im Thüringischen Bornhagen für Aufmerksamkeit. Im Garten neben dem Haus von Björn Höcke, einem der Sprecher der AfD Thüringen, hat das Zentrum ein kleines Holocaust-Mahnmal errichtet. Arno Widmann sprach mit Philipp Ruch, dem künstlerischen Leiter des Zentrums.

Was machen Sie da in Bornhagen?

Wir setzen Björn Höcke ein Denkmal vors Haus. Wir haben ihm einen Teil des Holocaust-Mahnmals – 24 massive Betonstelen – ans Grundstück gesetzt und sichern jetzt gerade per Crowdfunding den Betrieb des Denkmals für die nächsten zwei Jahre, mindestens bis Dezember 2019. Er soll sich jeden Tag, wenn er aus dem Fenster schaut, am Anblick erfreuen.

Als Möchtegernführer betrachtet er das Holocaust-Mahnmal ja als „Denkmal der Schande“. Wir geben ihm die Chance, das zu überdenken. Wie haben dabei seiner Forderung nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ nachgegeben. Wer genau hinschaut, wird merken, dass wir das Holocaust-Mahnmal in Bornhagen um 180 Grad gegenüber dem Berliner versetzt haben. So, wie er es forderte. Die deutsche Geschichte hat sich dadurch kein bisschen geändert.

Was ist das für ein Grundstück?

Wir haben es direkt nach seiner Dresdner Reichsparteitagsrede angemietet. Vom Posterboy der deutschen Rechten Björn Höcke trennt uns ein simpler Gartenzaun. Durch den sich übrigens seine Schafe zwängen, um auf unserem Rasen zu weiden. Wir sind also schon sehr lange ganz nah dran und haben vieles gesehen.

Als vergangenes Jahr an Christi Himmelfahrt die Antifa vor Höckes Haus demonstrieren wollte, wurde ihr das gerichtlich verwehrt…

Wir bedrohen unseren Nachbarn nicht. Wir sind interessierte Mieter und Nachbarn und verschönern unseren Garten mit Kunst. Innerhalb der Bauordnung stören wir niemanden in seiner Brandstifterruhe. Ich fürchte, er muss jetzt in Kauf nehmen, dass er Nachbarn hat, die das Holocaust-Mahnmal nicht als „Denkmal der Schande“ betrachten, sondern als Versuch, sich vor Augen zu halten, was war, um zu verhindern, dass es noch einmal passiert. Wir leisten Nachbarschaftshilfe.

Wie viele Menschen sind jetzt vor Höckes Haus?

Letzte Nacht dürften es an die fünfzig Menschen im Bautrupp gewesen sein.

Hat das etwas mit Kunst zu tun?

Mit der Kunst des Gedenkens. Man geht abends ins Bett und legt sich vielleicht wie jeden Abend ein paar scharfe Formulierungen zurecht und am nächsten Morgen wacht man auf und das Mahnmal ist da. Er faselt doch so viel von Heimat. Jetzt hat ihn was heimgesucht. Höcke goebbelte in seiner Rede im Brauhaus Watzke in Dresden: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Jetzt wird er auch hier, im ganz braunen Winkel unseres Vaterlandes daran erinnert, dass meine und seine Vorfahren sechs Millionen Juden niederträchtig vergast und erschossen haben. Weil wir das nicht vergessen möchten. Höcke dagegen hat, das können sie dem gescheiterten Ausschlussantrag der AfD entnehmen, bei einigen seiner Auftritte wörtlich ganze Passagen aus einer Kölner Hitlerrede von 1932 übernommen. Der sprach damals von halben und ganzen Menschen.