Die Erde aus dem All betrachtet
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BerlinDer Freitag ist mittlerweile ein äußerst strapazierter Wochentag für Themen von internationalem Belang. Wie gegenläufig die globalen Bewegungen dabei sind, zeigt sich besonders an diesem Freitag, an dem zwei Aktionstage auf ein gemeinsames Datum fallen, die gegensätzlicher kaum sein könnten.

Der Klimaprotesttag der Bewegung „Fridays for Future“(FFF) fällt mit dem „Black Friday“ zusammen, dem höchsten Feiertag der Schnäppchen-Jäger. Damit dürfte dieser letzte Freitag im November des Jahres 2019 eine ganz eigene Choreografie bekommen. Denn man wird sich vermutlich begegnen. Die Innenstädte und U-Bahnen werden voll sein mit Demonstranten auf dem Weg zur Klima-Kundgebung und mit Kaufwilligen, die es in die Geschäfte zieht.

Die Smart-Shopper können dabei auf eine längere Tradition zurückblicken. Den „Black Friday“ gibt es in den USA seit Jahrzehnten. Dort nützen die Konsumenten den meist arbeitsfreien Freitag nach Thanksgiving traditionell zum Einkaufen – angelockt von Sonderpreisen in Geschäften und Einkaufszentren. Nach Deutschland kam der Trend dann übers Internet, weshalb die ersten Rabattaktionen online stattfanden – und vor allem die Zusteller in die Bredouille brachten. Mittlerweile ist man vorbereitet. Bis zu elf Millionen Pakete stellt die Deutsche Post DHL im Schnitt bis Weihnachten zu. Täglich. Der „Black Friday“ gilt dabei als Auftakt und Impulsgeber.

Aufruf zum Verzicht

Impulsgeber – das will „Fridays for Future“ auch sein, auf eine ganz andere Weise. Die Bewegung ist ebenso neu wie durchschlagend. Sie ruft heute bereits zum 4. Globalen Aktionstag auf, der erste hat im März dieses Jahres stattgefunden. In vielen deutschen Städten gibt es Demos, Streikaufrufe und Kundgebungen.

In Deutschland richten sich die Proteste vor allem gegen die aus Sicht der Bewegung unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung. Dieses Klimapaket wird ebenfalls an diesem Freitag im Bundesrat beraten und vermutlich erst einmal in den Vermittlungsausschuss geschickt. Die Bundesländer haben noch zu viele Einwände gegen die Regelungen, fürchten vor allem finanzielle Einbußen.

Auch das Europaparlament hat sich positioniert. Am Donnerstag hat das Plenum nach heftiger Debatte den „Klimanotstand“ ausgerufen. Mit dem Klimanotstandsbeschluss verbinden sich zunächst noch keine konkreten politischen Maßnahmen. Er ist aber dennoch ein bemerkenswertes Symbol. Erstmals hat ein ganzer Kontinent den Klimawandel als sein dringlichstes Problem anerkannt.

Käufer oder Klimaschützer

Die Frage ist nun aber, wie es weitergeht. Der heutige Freitag ist eine gute Gelegenheit, um fürs Erste einzuschätzen, welche Bewegung die größere ist – Käufer oder Klimaschützer. In Frankfurt am Main wollen die Klimaaktivisten auf der Einkaufsmeile Zeil demonstrieren. Damit will man an die Verantwortung der Konzerne für den Klimawandel erinnern. Der „Black Friday“ sei der Tag, an dem die Konzerne und Firmen den höchsten Profit des Jahres einfahren, hieß es. Auch in Bielefeld riefen FFF-Aktivisten dazu auf, Konsumverzicht zu üben und am Freitag lieber mit ihnen zu demonstrieren.

„Wir leben im Wohlstand durch Ausbeutung des Planeten und auf Kosten aller zukünftigen Generationen“, formulierte es ein Sprecher der Umweltschutzbewegung laut Webseite der Tageszeitung Neue Westfälische. In Berlin ist die zentrale Kundgebung am Brandenburger Tor geplant. Das ist nur einen Steinwurf von den Einkaufszentren am Potsdamer Platz und am Leipziger Platz entfernt.

Auch diesen Freitag will die „Fridays For Future“-Bewegung vor dem Brandenburger Tor demonstrieren.
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Manche Firmen spenden

Es gibt aber auch Händler, die den Einkaufsmarathon am „Black Friday“ kritisch sehen. Die US-Kleidermarke Patagonia hat daher angekündigt, alle Spenden, die zwischen 29. und 31. Dezember auf ihrer Plattform Action Works getätigt werden, zu verdoppeln. Das Geld geht an gemeinnützige Umweltorganisationen. Es gibt allerdings noch einen einfacheren Weg, umweltbewusst zu handeln: Am kommenden Sonnabend ist Kauf-nix-Tag.