BANGKOK - „Schwarz wie eine Krähe“, verspotten Thailands Städter gerne ihre Landsleute, die durch die Arbeit auf dem Feld einen dunkleren Teint besitzen. Das Schönheitsideal verlangt in Stadt und Land gleichermaßen, so weiß wie möglich zu erscheinen. Deshalb versuchen Thais nicht nur, den letzten Flecken Haut vor der Sonne zu verstecken. Sie wenden – wie viele Asiaten östlich von Kabul – auch viel Geld auf für Schönheitscremes, die bleiche Haut versprechen.

Doch nun wird in Bangkok das Schönheitsideal von Frauen erneut heftig diskutiert. Auslöser ist eine Werbekampagne für Lactacyd White Intimate. In dem Werbefilm verkündet ein Model: „Enge Hosen verdunkeln die Haut.“ Dann schwenkt die Kamera auf den von weißen Shorts gerade so verdeckten Intimbereich der jungen Frau, und eine Stimme aus dem Hintergrund verheißt: „Die Creme macht diese Gegend hell und durchsichtig.“ Und alles angeblich binnen vier Wochen.

Ein neuer Tiefpunkt - im wörtlichen Sinn

In Indien löste vor einem halben Jahr eine weitaus direktere Werbekampagne für einen ähnlichen Weißmacher einen Proteststurm aus, der mit einem Verbot endete. In Thailand erregen sich weibliche Intellektuelle wie Kultida Samabuddhi von der Tageszeitung Bangkok Post über die Bleichmittelindustrie. Bislang hatte die Branche, die im asiatisch-pazifischen Raum im Jahr zwei Milliarden Dollar umsetzt, vor allem Cremes und Pillen für eine weiße Gesichtshaut beworben. Jetzt sei im wörtlichen Sinne ein neuer Tiefpunkt erreicht, schreibt Samabuddhi: „Das Schönheitsideal ist von der Kosmetikindustrie verändert worden. Thailänderinnen, die Schönheitsstandards der Kosmetika-Produzenten und Werbeagenturen nicht erfüllen, müssen heftig kämpfen, um ihr Selbstbewusstsein aufrecht zu erhalten.“

Die Kosmetikindustrie sieht das anders. Die Werbeagentur, die die Kampagne entwarf, argumentiert: „Intime Toiletterie bietet Weißmacherprodukte an, weil die Marktforschung gezeigt hat, dass Frauen dies wollen.“ Besonders von Frauen aus ländlichen Provinzen würden die Bleichmittel gern gekauft. Weil der Erfolg so groß war, denkt die Werbeagentur über ein ähnliches Angebot für Männer bereits nach. (ger.)