Samira El Ouassil ist Medienkritikerin und Schauspielerin.
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BerlinSamira El Ouassil macht nicht irgendwas mit Medien, sondern alles. Hier nur ein Streiflicht auf die Darstellungsformen, mit denen sie vertraut ist: El Ouassil schreibt Bücher, Gags, Essays, Kolumnen und als Ghostwriterin politische Reden; sie ist Schauspielerin und man hört sie in einem Podcast, der „Sag Niemals Nietzsche“ heißt und „Philosophie für Faule“ verspricht.

Faulheit ist das Letzte zu sein, was man El Ouassil vorwerfen kann. Schon im Kindesalter hielt sie Presseschauen für ihre Freunde. Aber das ist natürlich nicht der Grund, warum sie an diesem Montagabend in Berlin zum „Blogger des Jahres“ gewählt werden könnte – falls der CDU-Zerstörer Rezo oder die Faktenchecker von Volksverpetzer nicht mehr Stimmen bekommen.

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Kosmopolitin und Projektionsfläche zugleich

El Ouassil, 35, geboren in München, verbrachte ihre Sommerferien bei Oma und Opa in Marokko, immer im Herbst war sie bei den amerikanischen Großeltern; ihren Migrationshintergrund komplettiert der Besuch einer französischen Schule. Das macht sie einerseits zu einer reich mit Eindrücken beschenkten Kosmopolitin.

Andererseits ist sie eine Projektionsfläche für den Hass von politisch rechtsdrehenden Netzgestalten. Wegen ihrer Herkunft, weil sie eine Frau ist, aufgrund einer unterstellen Konfession. Nach der vergangenen Bundestagswahl erreichte sie eine Schwemme aus Beschimpfungen und Drohungen.

Witzig und intelligent gibt sie Nachdenkbefehle

Vor zwei Jahren, beim Eröffnungspanel der re:publica sprach El Ouassil über die vielen Trolle, die online gegen sie wüteten. Sie fand das anstrengend, versuchte, wenig an sich heranzulassen. Es war aber auch amüsant. „Es waren so viele Trolle, ich hätte Herr der Ringe nachdrehen können“, sagte El Ouassil. Wirklich witzig ist sie ja auch noch.

Und wahnsinnig intelligent, was ihr eine Mitgliedschaft bei Mensa International ermöglicht, wo sich Menschen mit einem IQ von mindestens 130 vernetzen. Aus ihrem angenehm erklärbärig mäanderten Redefluss tauchen immer wieder Worte wie „Machtdispositive“ oder „Ambiguitätsfelder“ auf – oder auch mal ein eher wasserscheues Geschöpf wie „Schrödingers Katze“.

Bekannt wurde El Ouassil als Kanzlerkandidatin von Martin Sonneborns Die Partei, „Mitgliedsnummer 90-60-90“, „willenlose Marionette“, vor über zehn Jahren war das und eine überaus gelungene Parodie. Auch in ihren heutigen Kolumnen auf übermedien.de und neuerdings für den Spiegel ist Lachen nicht verboten. Dringend preisverdächtig ist El Ouassil aber wegen ihrer sanften Nachdenkbefehle.